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Entwicklung des Individuums. Gegenstand der Pädagogik

Ein humanontogenetischer Ansatz

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Dieter Kirchhöfer

Dieses Buch sucht bisher angebotene Aussagen einer neu entstehenden Wissenschaft – der Humanontogenetik – auf ihre theoretische Ergiebigkeit für pädagogisches Denken zu befragen. Pädagogische Themen drängen nach einer humanontogenetischen Betrachtung der individuellen Entwicklung, wie Ganzheit, Körper, Bewegung, Rhythmus, Vererbung und Aneignung, Persönlichkeit und Individualität, aber auch Probleme im unmittelbaren Bereich der Bildung wie das Maß und die Wege frühkindlicher Bildung, die einer kindgemäßen Rhythmisierung, der möglichen Ganztätigkeit des Lernens oder die der pädagogischen Professionalität.

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2. Souveränität oder Mündigkeit. Das Ziel als Zustand oder Richtung pädagogischen Bemühens

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2.1 Ein erweitertes Aneignungsverständnis Die folgenden Ausführungen folgen einer Systematik von Aneignung, wie sie für traditionelle Lehrbücher der Pädagogik charakteristisch ist. Mit dem zu Grunde gelegten Quadrupel Aneignungsziel, Aneignungsinhalt, Aneignungs- prozess, Aneignungssubjekt vermeine ich einerseits der Spezifik einer pädago- gischen Betrachtungsweise zu genügen und den Anschluss an pädagogische Diskussionen zu ermöglichen, andererseits mit der Aneignungsvorstellung ein eigenes humanontogenetisches Profil zu entwickeln (Röhr 1979). Im Sprach- gebrauch der Pädagogik wird Aneignen meist als Internalisierung im Sinne von geistiger Aneignung von Gedankensystemen (Begriffe, Thesen, Theorien) und/oder der Aufnahme und Verinnerlichung von Werten; Normen, Verhal- tensweisen verstanden. „Aneignung“ als eine grundlegende Kategorie der ma- terialistisch orientierten Persönlichkeitstheorie kennzeichnet im Verständnis der Humanontogenetik dagegen die Gesamtheit der praktischen und geistigen Lebensäußerungen der Individuen, mit der sie sich ihre Welt zu eigen machen. Aneignung sieht also erstens die Aneignung als praktisches Verhältnis. Das Individuum hat sich ein Objekt – unabhängig davon ob in materiell-gegen- ständlicher, sozialer oder geistiger Form – angeeignet, wenn es dieses Objekt in seinen Veränderungsprozess der Umwelt einbezieht und sich so mit deren Hilfe als Subjekt realisiert. Zweitens stellen die gesellschaftlichen Bereiche der Aneignung in diesem Verständnis nicht nur ein außerhalb des Individuums existierendes Determinationsgefüge dar, sondern das Individuum entäußert und vergegenständlicht sich in diesen Verhältnissen, es eignet sich also mit den Verhältnissen auch sein eigenes Wesen an. Subjektsein und Subjektwerden sind deshalb auch immer Aneignung des...

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