Show Less

Entwicklung des Individuums. Gegenstand der Pädagogik

Ein humanontogenetischer Ansatz

Series:

Dieter Kirchhöfer

Dieses Buch sucht bisher angebotene Aussagen einer neu entstehenden Wissenschaft – der Humanontogenetik – auf ihre theoretische Ergiebigkeit für pädagogisches Denken zu befragen. Pädagogische Themen drängen nach einer humanontogenetischen Betrachtung der individuellen Entwicklung, wie Ganzheit, Körper, Bewegung, Rhythmus, Vererbung und Aneignung, Persönlichkeit und Individualität, aber auch Probleme im unmittelbaren Bereich der Bildung wie das Maß und die Wege frühkindlicher Bildung, die einer kindgemäßen Rhythmisierung, der möglichen Ganztätigkeit des Lernens oder die der pädagogischen Professionalität.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

6. Die individuelle Aneignung – die Rhythmisierung des Schulalltags

Extract

6.1 Die Eigenzeit des Individuums Die Frage „was ist die Zeit?“ würde eine Vielzahl von Erörterungen bedürfen, derer ich einfach nicht mächtig bin. Für die weiteren Betrachtungen muss die Verständigung darüber genügen, dass wir unter Zeit ein Orientierungsmittel verstehen, um Sicherheit in der sich wandelnden Welt zu gewinnen. Zeit stellt in diesem Verständnis eine menschliche Konstruktion, ein netzartiges Ord- nungsmuster dar, das wir auf oder besser über unsere Tätigkeiten legen (K. Geißler 1999, S. 4) und das eine objektive Entsprechung in der Entwicklung hat, die wiederum nur in der Zeit wirkt. Die spezifische humanontogenetische Perspektive soll uns auf der Grundlage der genetisch-biotischen, psychischen und sozialen Einheit von Komplexität und Zeit Perspektiven auf die Eigenzei- ten der schulischen Prozesse, die Synchronisierung der ontogenetischen Zeiten von Lehrern und Schülern, ihre Zyklizität und die Rhythmen, die pädagogische Relevanz der temporalen Kompetenz und den Widerspruch von Be- und Ent- schleunigung in pädagogischen Kontexten öffnen. Anthropologisch war der Mensch als Gattung und als Individuum in seinem Stoffwechsel mit der Natur immer an Zeit und Zeiten gebunden, die Jahreszei- ten und Tageszeiten bestimmten den Rhythmus seiner Tätigkeiten. Noch heute ist der Schlaf-Wachrhythmus im 24 Stundenlauf der Sonne verankert, die Wechsel von Tag und Nacht, Hell und Dunkel bestimmen den menschlichen Tageslauf. Mehr als 150 biologische Rhythmen des Menschen sind allein mit dem Tag-Nacht-Zyklus gekoppelt. Wissenschaftler warnen deshalb vor den negativen Folgen der Nachtarbeit, auch wenn sie durch das Ausruhen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.