Show Less

Neo Rauch und der Surrealismus

Cornelia Lütkemeier

Immer wieder wird Neo Rauchs Kunst mit dem Surrealismus verglichen. «Es ist Neo Rauch gelungen, bei der Tradition eines surrealistischen Verismus anzuknüpfen», urteilte etwa Werner Spies 2007. Allerdings ist diese Gegenüberstellung bislang noch nie kunsthistorisch untermauert worden. Dieses Buch widmet sich der Beantwortung folgender Fragen: Gibt es eine direkte Beziehung zwischen Neo Rauch, seinen Lehrern und dem Surrealismus? Deckt sich seine Arbeitsweise mit jener der Surrealisten? Welche stilistischen Gemeinsamkeiten gibt es tatsächlich? Die Arbeit beleuchtet die Biografie des Künstlers und untersucht, wie der Surrealismus von Neo Rauchs Lehrern rezipiert wurde. Ferner werden Bilder und Zitate Neo Rauchs mit Werken und Forderungen der Surrealisten verglichen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Geleitwort

Extract

Es ist noch nicht lange her, daß es als Sakrileg galt, als zur „Documenta 6“ des Jahres 1977 Künstler aus der DDR eingeladen wurden, die noch immer ganz konventionell mit Pinsel und Farbe malten, und dazu auch noch gegenständlich. Die Maximen des Sozialistischen Realismus’ hatten es ihnen in ihrem Lande nicht anders erlaubt zu malen, und die leise, ironische Pointe der damals ausge- stellten Werke von Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke war vor lauter westlicher Entrüstung kaum wahrzunehmen. Nach dem Mauerfall hat sich dies geändert. Die abstrakte Malerei geriet innerhalb weniger Jahre in die Krise, der Kunstmarkt in den USA entdeckte bei seiner Suche nach neuem „Fleisch“ die „Leipziger Schule“, die immer noch unbeirrt figürlich malte, und man entdeckte in deren neuer Generation den Leipziger Maler Neo Rauch, einen Schüler von Arno Rink und Bernhard Heisig. Seitdem ist Neo Rauch quasi über Nacht zum neuen Star der Moderne geworden, während die Scheinwerfer der Kunstszene ihre Lichtkegel von der abstrakten Kunst abwandten und diese in fahles Licht abglitt. Der jähe Ge- schmackswandel, der mit dieser Umwertung greifbar wird, darf als Paradigma eines Stilwandels in der bildenden Kunst gelten, eines Stilwandels, wie er in der Kunstgeschichte immer wieder vorgekommen ist, freilich uns Heutige mit dem fernen Blick auf die früheren großen Stilwandlungen nur noch allzu grob im Bewußtsein geblieben ist. Dabei würde sich lohnen, ähnlich abrupte Ge- schmackswandel in den vergangenen Jahrhunderten genauer unter die Lupe zu...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.