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Neo Rauch und der Surrealismus

Cornelia Lütkemeier

Immer wieder wird Neo Rauchs Kunst mit dem Surrealismus verglichen. «Es ist Neo Rauch gelungen, bei der Tradition eines surrealistischen Verismus anzuknüpfen», urteilte etwa Werner Spies 2007. Allerdings ist diese Gegenüberstellung bislang noch nie kunsthistorisch untermauert worden. Dieses Buch widmet sich der Beantwortung folgender Fragen: Gibt es eine direkte Beziehung zwischen Neo Rauch, seinen Lehrern und dem Surrealismus? Deckt sich seine Arbeitsweise mit jener der Surrealisten? Welche stilistischen Gemeinsamkeiten gibt es tatsächlich? Die Arbeit beleuchtet die Biografie des Künstlers und untersucht, wie der Surrealismus von Neo Rauchs Lehrern rezipiert wurde. Ferner werden Bilder und Zitate Neo Rauchs mit Werken und Forderungen der Surrealisten verglichen.

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I. Neo Rauch – Leben und Werk

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Neo Rauch wurde 1960 in Leipzig geboren und besuchte von 1981 bis 1986 an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) die Fachklasse des Malers Arno Rink. In den folgenden drei Jahren war er Meisterschüler bei Bern- hard Heisig. Nach vier Jahren als freischaffender Künstler in Leipzig wurde er 1993 Assistent von Arno Rink an der HGB. 2005 übernahm er als Nachfolger dessen Professur, legte das Amt im Jahr 2009 jedoch nieder, um sich wieder ver- stärkt der eigenen Malerei widmen zu können. In der Deutschen Demokrati- schen Republik wuchs Neo Rauch in einer Kunstlandschaft auf, in welcher der Begriff des Sozialistischen Realismus als zentrales Qualitätskriterium von Kunst gehandelt wurde. Der Inhalt eines Kunstwerkes sollte sich dem Betrachter auf den ersten Blick erschließen, um im „werktätigen Menschen ein sozialistisches Bewusstsein herauszubilden“.15 So erklärte etwa 1957 Ulrich Kuhirt in der Zeitschrift ‚Bildende Kunst‘, dass die „erlebnis- und erkenntnisvermittelnde, bewusstseinsbildende Wirkung“ der Kunst die Erziehung sozialistischer Menschen ermögliche. Um dieser pädagogi- schen Aufgabe willen sollten die Kunstwerke „in einer verständlichen, in einer lesbaren künstlerischen Sprache gestaltet sein. Die Menschen sollen verstehen, was der Künstler ihnen sagen will, wozu er sie aufruft. Der Künstler muss also dem bedeutenden gesellschaftlichen Inhalt adäquate Formen geben. Der Wert der geschaffenen Kunstwerke ist zu messen an ihrer ästhetisch- ideologischen Wirksamkeit für den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft.“16 15 Ulrich Kuhirt: Folgerungen aus der Kulturkonferenz, in: Verband Bildender K...

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