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Neo Rauch und der Surrealismus

Cornelia Lütkemeier

Immer wieder wird Neo Rauchs Kunst mit dem Surrealismus verglichen. «Es ist Neo Rauch gelungen, bei der Tradition eines surrealistischen Verismus anzuknüpfen», urteilte etwa Werner Spies 2007. Allerdings ist diese Gegenüberstellung bislang noch nie kunsthistorisch untermauert worden. Dieses Buch widmet sich der Beantwortung folgender Fragen: Gibt es eine direkte Beziehung zwischen Neo Rauch, seinen Lehrern und dem Surrealismus? Deckt sich seine Arbeitsweise mit jener der Surrealisten? Welche stilistischen Gemeinsamkeiten gibt es tatsächlich? Die Arbeit beleuchtet die Biografie des Künstlers und untersucht, wie der Surrealismus von Neo Rauchs Lehrern rezipiert wurde. Ferner werden Bilder und Zitate Neo Rauchs mit Werken und Forderungen der Surrealisten verglichen.

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II. Surrealistische Techniken und Motive im Werk Neo Rauchs

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In seinem Aufsatz ‚Ars inveniendi et investigandi. Zur surrealistischen Metho- de‘ schrieb Hans Holländer 1970 über den Surrealismus, er sei „kein Stil im traditionellen Sinne der Kunstgeschichte, kein Versuch, einen derart beschaffenen Stil zu begründen in der Art von Jugendstil, Kubismus oder derglei- chen, sondern ein Versuch, die in derartigem Programmen enthaltenen ästhetischen Voraussetzungen zu überwinden. Surrealismus ist kein Stil, sondern […] eine Me- thode.“112 Der vorliegende Vergleich zwischen Neo Rauchs Werken und der Kunst des Surrealismus möchte sich beidem widmen: Stil und Methode. Denn sowohl Neo Rauchs Arbeitstechnik, im Rahmen derer er der Inspiration und „Bildern aus dem Augenwinkel“113 eine große Rolle zuschreibt, als auch bestimmte Motive, die er in seine Werken aufnimmt, erinnern an diese Kunstrichtung. Und sogar der Künstler selbst erklärte, dass er seit früher Kindheit „eine starke Affinität“ 114 zum Surrealismus hege – eine Aussage, die angesichts der zahlreichen Äuße- rungen, in denen sich Neo Rauch ausdrücklich von der Strömung distanziert, gewiss umso bemerkenswerter ist. Aufgrund der genannten Zitate und der Tatsache, dass der Surrealismus längst zum Kanon der klassischen Moderne gehört, mit der Rauch nicht zuletzt während seines Kunststudiums an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst in Berührung gekommen sein dürfte, darf man einerseits annehmen, dass dem Künstler die Hauptwerke dieser Richtung vertraut sind. Andererseits liegen bisher weder Interviews mit Rauch, noch Publikationen über Rauch vor, 112 Hans Holländer: Ars inveniendi et investigandi. Zur surrealistischen...

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