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Michael Freund

Wissenschaft und Politik (1945-1965)

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Birte Meinschien

Michael Freund (1902-1972) war der erste Professor für «Wissenschaft und Geschichte der Politik» an der Universität Kiel und gehörte damit zur einflussreichen Gründervätergeneration der westdeutschen Politikwissenschaft nach 1945. Sowohl Freunds universitäres und wissenschaftliches Wirken als Politikwissenschaftler und Historiker als auch sein politisches Engagement und seine umfangreiche journalistische Tätigkeit stehen im Fokus dieser Studie. Somit stellt die Arbeit nicht nur die erste Biographie Freunds dar, sondern bietet zugleich einen Einblick in eine stark historisch orientierte Richtung der frühen westdeutschen Politikwissenschaft. Darüber hinaus leistet sie einen Beitrag zur Verständigung über Wissenschafts- und Universitätsgeschichte nach 1945.

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4. Handlungsfeld Politik und Öffentlichkeit

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4.1. Der Politikwissenschaftler als Politiker: Michael Freund und die SPD „Ich gehörte in meiner Studentenzeit der radikalen Linken an […]. Dann schlug das Pendel zurück, ich wurde konservativ und nahezu reaktionär und trat deshalb in die Partei ein, die ich ihrer Disziplin wegen für die konservativste hielt: die sozialdemokratische. Dieser Par- tei habe ich lange Jahrzehnte angehört. Aber irgendwie passte ich wohl doch nicht so ganz in die Partei – in irgendeine Partei.“700 Die SPD war in Schleswig-Holstein nach 1945 zunächst die bestimmende politische Kraft. Sie gewann die Kreistagswahlen 1946 und die Landtagswahlen 1947 und stellte danach unter Hermann Lüdemann – nach zwei zuvor von den Briten ernannten Land- tagen (Februar und Dezember 1946) mit CDU/ SPD-Kabinetten – ein reines SPD- Kabinett.701 Die Kieler ‚Genossen‘ knüpften nach 1945 vielfach an bis in die Zeit vor dem Nationalsozialismus zurückreichende Netzwerke an.702 Auch Freund trat nach 1945 erneut in die SPD ein,703 doch zweifelte er schon früh an der Partei und ihren Möglichkeiten: „Bei Optionszwang würde ich mich zwar für die SPD entscheiden, aber doch nur in einer recht resignierten Weise. In diesem zerstückelten und bis in die Substanz hinein zerfresse- nen Deutschland ist nur die ganz kleine Politik der elementaren Lebensbehauptung möglich. Dafür mag der Weg der SPD der richtige sein. Die grossen Worte Sozialismus und Demo- kratie scheinen mir einen Hauch der intellektuellen Unredlichkeit an sich zu tragen. Eine Ei- che wächst nicht im Blumentopf...

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