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Zwischen Aufbegehren und Anpassung

Poetische Figurationen von Generationen und Generationserfahrungen in der österreichischen Literatur- Unter Mitarbeit von Paweł Domeracki und Marta Wimmer

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Edited By Joanna Drynda

Der Sammelband ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts und setzt sich zum Ziel, die Ästhetisierung und Diskursivierung von Generationskonzepten und -erfahrungen im Rahmen der österreichischen Literatur zu orten. Das zeitliche und thematische Umfeld umfasst ein ganzes Spektrum literarischer Phänomene vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart hinein. Die Analysen der Darstellungen individueller wie auch gruppenspezifischer Erfahrungen richten ihr Augenmerk auf die Medien der Rebellion sowie auf die Arten der Verständigung über Generationsprobleme. Vor diesem Hintergrund wird der Generationen-Widerstreit beleuchtet, um aufzuzeigen, inwieweit Aufbegehren und Anpassung voneinander entfernt liegen, in welchem Maße sie Ausdruck einer genuinen Geisteshaltung sind und inwiefern sie sich literarischer Programme bedienen oder aber auch diese verwerfen.

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Generationserfahrung in den frühen Essays und Tagebüchern von Hermann Bahr. Lucjan Puchalski (Wrocław)

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29 Generationserfahrung in den frühen Essays und Tagebüchern von Hermann Bahr Lucjan Puchalski (Wrocław) Die Kategorie der Generation gilt in der wissenschaftlichen Debatte um die Lite- ratur der Wiener Moderne als ein bewährtes Wahrnehmungs- und Beschrei- bungsmuster, anhand dessen sich nicht nur die soziokulturellen Hintergründe, sondern auch die ästhetische und intellektuelle Eigenart des damaligen künstle- rischen und literarischen Lebens in Österreich explizieren lassen. Die schon um 1890 auftauchenden Bezeichnungen ‚Jung-Österreich’ bzw. ‚Jung-Wien’ setzten ein dichotomisches Schema voraus, in dem das Programm und das Schaffen der jungen Autoren gegen die Wertvorstellungen und den ästhetischen Geschmack der Generation der liberalen Gründerzeit ausgespielt wurden. Dieses Schema wurde dann vielfach von der literaturwissenschaftlichen Forschung übernom- men, zumal viele damalige Schriftsteller sich von dem Lebensstil und liberalen Welt- und Menschenbild ihrer Eltern bewusst distanziert hatten. Schnitzler wei- gerte sich, in die medizinischen Fußstapfen seines prominenten Vaters zu treten, Hofmannsthal fühlte sich als Spätgeborener, den das Erbe der „hübschen Mö- bel“1 befremdete, und Richard Engländer legte seinen bürgerlichen Namen ab und führte als Peter Altenberg das ‚befreite Leben’ eines Bohemiens und Kaf- feehausliteraten.2 Carl E. Schorske führte den raffinierten Ästhetizismus der Jungwiener auf die die ganze Generation betreffende Haltung der Flucht in den Tempel der Kunst zurück, in dem sie nach dem Scheitern des liberalen Projekts ihrer Väter den Frust über die beschränkten Möglichkeiten des politischen und gesellschaftlichen Handelns ästhetisch verklären und abreagieren...

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