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Zwischen Aufbegehren und Anpassung

Poetische Figurationen von Generationen und Generationserfahrungen in der österreichischen Literatur- Unter Mitarbeit von Paweł Domeracki und Marta Wimmer

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Edited By Joanna Drynda

Der Sammelband ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts und setzt sich zum Ziel, die Ästhetisierung und Diskursivierung von Generationskonzepten und -erfahrungen im Rahmen der österreichischen Literatur zu orten. Das zeitliche und thematische Umfeld umfasst ein ganzes Spektrum literarischer Phänomene vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart hinein. Die Analysen der Darstellungen individueller wie auch gruppenspezifischer Erfahrungen richten ihr Augenmerk auf die Medien der Rebellion sowie auf die Arten der Verständigung über Generationsprobleme. Vor diesem Hintergrund wird der Generationen-Widerstreit beleuchtet, um aufzuzeigen, inwieweit Aufbegehren und Anpassung voneinander entfernt liegen, in welchem Maße sie Ausdruck einer genuinen Geisteshaltung sind und inwiefern sie sich literarischer Programme bedienen oder aber auch diese verwerfen.

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Marlen Haushofer: Zwischen Erinnern und Vergessen, Aufbegehren und Anpassung. Christa Gürtler (Salzburg)

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97 Marlen Haushofer: Zwischen Erinnern und Vergessen, Aufbegehren und Anpassung Christa Gürtler (Salzburg) Die Verrücktheit, die meine ganze Generation befallen hat, ist die Folge von Ereignissen, denen wir nicht gewachsen waren. Marlen Haushofer, Die Mansarde So nüchtern und hoffnungslos wie wenige SchriftstellerInnen beschreibt Marlen Haushofer (1920-1970) als Chronistin die Mentalitäten und Strukturen der 1950er und 1960er Jahre in Österreich, die geprägt sind von verdrängten Kriegs- erfahrungen und starren Rollenmustern unter der scheinbar beruhigten Oberflä- che der Wiederaufbaujahre. Besonders schwierig war es für die „junge“ Genera- tion, die als Jugendliche und junge Erwachsene den Krieg erlebt hatten, ihre Er- fahrungen zu verarbeiten. In ihren Erzählungen und Romanen macht Marlen Haushofer die ge- schlechtsspezifischen Differenzen deutlich, die zwischen den Erfahrungen im „Schützengraben“ und jenen im „Luftschutzkeller“ liegen. Berücksichtigt man die Kategorie „gender“ bei der Beschreibung von Kriegserlebnissen, sind nicht nur Frontberichterstattungen Kriegserzählungen, sondern auch die Erzählungen von Frauen in der „Heimat“, ihre Arbeitseinsätze, die Bombardierungen, die Ar- beit der „Trümmerfrauen“ in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Fremdheit der Geschlechter, von denen Haushofer in ihren Büchern erzählt, ist eine Folge von Ereignissen, denen weder Männer noch Frauen gewachsen waren und die von der Heldin in Haushofers letztem Roman Die Mansarde (1969) als „Ver- rücktheit“ bezeichnet wird: Vielleicht bin ich ein wenig verrückt und weiß es nur nicht. Es wäre schließlich kein Wunder. Die Verrücktheit, die meine ganze Generation befallen hat, ist...

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