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Zwischen Aufbegehren und Anpassung

Poetische Figurationen von Generationen und Generationserfahrungen in der österreichischen Literatur- Unter Mitarbeit von Paweł Domeracki und Marta Wimmer

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Edited By Joanna Drynda

Der Sammelband ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts und setzt sich zum Ziel, die Ästhetisierung und Diskursivierung von Generationskonzepten und -erfahrungen im Rahmen der österreichischen Literatur zu orten. Das zeitliche und thematische Umfeld umfasst ein ganzes Spektrum literarischer Phänomene vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart hinein. Die Analysen der Darstellungen individueller wie auch gruppenspezifischer Erfahrungen richten ihr Augenmerk auf die Medien der Rebellion sowie auf die Arten der Verständigung über Generationsprobleme. Vor diesem Hintergrund wird der Generationen-Widerstreit beleuchtet, um aufzuzeigen, inwieweit Aufbegehren und Anpassung voneinander entfernt liegen, in welchem Maße sie Ausdruck einer genuinen Geisteshaltung sind und inwiefern sie sich literarischer Programme bedienen oder aber auch diese verwerfen.

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Handke und die Gruppe 47. Karl Wagner (Zürich)

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121 Handke und die Gruppe 47 Karl Wagner (Zürich) Und heute würde nie jemand wagen, triumphierend mitzteilen, daß er sich in den Elfenbeinturm zurückgezogen hat. Man zieht sich dorthin nicht zurück – man wird dorthin verbannt. Ludwig Marcuse 19641 Im Jahre 1966 veröffentlichte der Literaturkritiker und Rundfunkredakteur Peter Hamm, seines Zeichens Jahrgang 1937, die Anthologie Aussichten. Junge Lyri- ker des deutschen Sprachraums, in der die Autoren „in der Reihenfolge der Jahrgänge“ vorgestellt werden, und zwar die Autoren der Generation 1930 bis 1946. Im Nachwort seiner Anthologie tauft Hamm die Nachfolger der sprich- wörtlich gebliebenen „skeptischen Generation“ auf den Namen „die gefaßte Ge- neration“, der er somit auch selber angehört.2 Unter den im Vergleich zu DDR- Autoren spärlich vertretenen Österreichern finden sich mit Andreas Okopenko, Gerhard Rühm, Thomas Bernhard, Konrad Bayer, Heidi Pataki und Reinhard Prießnitz Vertreter der Wiener Gruppe und ihre (antagonistischen) Trabanten. Der Antagonismus kann mit dieser Aussage Bernhards zum Beitrag von Priess- nitz im Band Über Thomas Bernhard3 verdeutlicht werden: „Die meisten Bei- träge sind mühelos und dumm, aber das ist nicht zu ändern, ebenso wenig kann ich mich beherrschen. Vor allem hätte ich auf die Dummheit des Herrn Priess- nitz verzichtet.“4 1 Ludwig Marcuse: Im Elfenbeinturm und außerhalb [1964]. In: ders.: Essays, Porträts, Polemiken. Ausgewählt aus vier Jahrzehnten von Harold von Hofe. Zürich: Diogenes 1979, S. 361-383, hier S. 368. 2 Peter Hamm: Die Wiederentdeckung der Wirklichkeit. Statt...

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