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Zwischen Aufbegehren und Anpassung

Poetische Figurationen von Generationen und Generationserfahrungen in der österreichischen Literatur- Unter Mitarbeit von Paweł Domeracki und Marta Wimmer

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Edited By Joanna Drynda

Der Sammelband ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts und setzt sich zum Ziel, die Ästhetisierung und Diskursivierung von Generationskonzepten und -erfahrungen im Rahmen der österreichischen Literatur zu orten. Das zeitliche und thematische Umfeld umfasst ein ganzes Spektrum literarischer Phänomene vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart hinein. Die Analysen der Darstellungen individueller wie auch gruppenspezifischer Erfahrungen richten ihr Augenmerk auf die Medien der Rebellion sowie auf die Arten der Verständigung über Generationsprobleme. Vor diesem Hintergrund wird der Generationen-Widerstreit beleuchtet, um aufzuzeigen, inwieweit Aufbegehren und Anpassung voneinander entfernt liegen, in welchem Maße sie Ausdruck einer genuinen Geisteshaltung sind und inwiefern sie sich literarischer Programme bedienen oder aber auch diese verwerfen.

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Die Südtiroler Literaturrevolte von 1969. Sigurd Paul Scheichl (Innsbruck)

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133 Die Südtiroler Literaturrevolte von 1969 Sigurd Paul Scheichl (Innsbruck) In memoriam Alfred Gruber Beginnen möchte ich mit einem fast archetypischen Beispiel für eine (wenn auch privat bleibende) literarische Revolte als Generationenkonflikt. Karl Hen- netmair erinnert sich an Thomas Bernhard: Wir saßen vor Jahren vor dem Apparat, als die Meldung kam, daß Doderer gestor- ben sei. Wie elektrisiert sprang Thomas vom Sessel, klatschte in die Hände und rief erfreut: Der Doderer ist gestorben. Auf meine Frage, warum ihn das so freue, sagte er: Doderer war doch in Österreich das Renommierpferd, und solange er lebte, konn- te kein anderer was werden, es konnte keiner hochkommen. Jetzt ist die Bahn frei, jetzt komme ich. […]1 Das war Ende 1966 (Doderer ist am 23. Dezember gestorben), also schon nach Frost und Amras. Die Freude Bernhards über den Tod des ‚alten Meisters’ schließt im Übrigen nicht aus, dass dessen Erzählverfahren auf den jüngeren Au- tor gewirkt haben. Auch nicht auszuschließen ist, dass am 12. Februar 1989 ein jüngerer Autor ähnlich auf die Nachricht von Bernhards Tod reagiert hat. Solche Brüche zwischen den Generationen gab es in der Entwicklung der Literatur Österreichs insgesamt. Doch auch in den Regionen setzt sich manch- mal, gegenüber der Entwicklung in ganz Österreich gelegentlich verspätet, Neu- es abrupt durch. Meistens spitzen sich da im Rückblick über Jahre hinweg zu beobachtende, aber zunächst kaum bemerkte Entwicklungen in einzelnen spek- takulären Ereignissen zu, nicht unbedingt in...

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