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Zwischen Aufbegehren und Anpassung

Poetische Figurationen von Generationen und Generationserfahrungen in der österreichischen Literatur- Unter Mitarbeit von Paweł Domeracki und Marta Wimmer

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Edited By Joanna Drynda

Der Sammelband ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts und setzt sich zum Ziel, die Ästhetisierung und Diskursivierung von Generationskonzepten und -erfahrungen im Rahmen der österreichischen Literatur zu orten. Das zeitliche und thematische Umfeld umfasst ein ganzes Spektrum literarischer Phänomene vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart hinein. Die Analysen der Darstellungen individueller wie auch gruppenspezifischer Erfahrungen richten ihr Augenmerk auf die Medien der Rebellion sowie auf die Arten der Verständigung über Generationsprobleme. Vor diesem Hintergrund wird der Generationen-Widerstreit beleuchtet, um aufzuzeigen, inwieweit Aufbegehren und Anpassung voneinander entfernt liegen, in welchem Maße sie Ausdruck einer genuinen Geisteshaltung sind und inwiefern sie sich literarischer Programme bedienen oder aber auch diese verwerfen.

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Poetisierung von Trauma und Engagement im ‚mausklickenden’ Zeitalter. Zu Generationserfahrungen in der Lyrik Robert Schindels. Artur Pełka (Łódź)

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161 Poetisierung von Trauma und Engagement im ‚mausklickenden’ Zeitalter. Zu Generationserfahrungen in der Lyrik Robert Schindels Artur Pełka (Łódź) „Mir ekelt vor diesem tintenklecksenden Saekulum“ – lässt der junge Schiller seinen Karl Moor bekennen, der in seiner Radikalität und Leidenschaft zum Sprachrohr der Sturm-und-Drang-Generation avanciert. Die ,Geniezeit’ des aus- gehenden 18. Jahrhunderts kann gewissermaßen als Vorwehe zur Geburtsstunde des Generationsbegriffs betrachtet werden1, der sich als Terminus zur Beschrei- bung einer gesellschaftlichen Großgruppe erst im 19. Jahrhundert herauskristal- lisierte, um dann im 20. Jahrhundert ins kulturtheoretische Vokabular integriert zu werden. Wenn Robert Schindel seinen letzten, 2008 erschienenen Gedichtband an Schiller anknüpfend Mein mausklickendes Seakulum2 betitelt, verleiht er ihm zwangsläufig eine generationale Dimension. Indem Schiller mit seinem Moor eine Abneigung gegen den konservativen Zeitgeist zum Ausdruck bringt und das Aufbegehren der Jugend charismatisiert, markiert er temporalisierend die Be- sonderheit der politisch-kulturellen Avantgarde der Epoche. So bilden die Ent- wertung von Tradition und die Erfindung von Neuem die kollektive Erinnerung einer Generation. Schindels Gestus ist freilich einer ganz anderen Art: Sein ‚Saekulum’ ist weder durch ästhetische Praxis noch politische Kontexte, sondern durch die Computerisierung der Welt definiert. Das digitale Zeitalter wird dabei deutlich affirmiert, was das im Bandtitel enthaltene Possessivpronomen „Mein“ impliziert und mit dem Vers „endlich Word geöffnet“ (S 15) im Titelgedicht direkt zur Sprache gebracht wird. Wenn im Kontext des Rahmenthemas des Bandes die neusten Gedichte Schindels auf ihre generationelle Dimension hin untersucht werden, stellen sich grundlegende methodische Probleme. Denn zum einen wird die...

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