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Zwischen Aufbegehren und Anpassung

Poetische Figurationen von Generationen und Generationserfahrungen in der österreichischen Literatur- Unter Mitarbeit von Paweł Domeracki und Marta Wimmer

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Edited By Joanna Drynda

Der Sammelband ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts und setzt sich zum Ziel, die Ästhetisierung und Diskursivierung von Generationskonzepten und -erfahrungen im Rahmen der österreichischen Literatur zu orten. Das zeitliche und thematische Umfeld umfasst ein ganzes Spektrum literarischer Phänomene vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart hinein. Die Analysen der Darstellungen individueller wie auch gruppenspezifischer Erfahrungen richten ihr Augenmerk auf die Medien der Rebellion sowie auf die Arten der Verständigung über Generationsprobleme. Vor diesem Hintergrund wird der Generationen-Widerstreit beleuchtet, um aufzuzeigen, inwieweit Aufbegehren und Anpassung voneinander entfernt liegen, in welchem Maße sie Ausdruck einer genuinen Geisteshaltung sind und inwiefern sie sich literarischer Programme bedienen oder aber auch diese verwerfen.

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Generationen in Elfriede Jelineks Lust und Marlene Streeruwitz’ Sloane Square. Frausein- und Mütterlichkeitsmisere unter Generationen. Agnieszka Jezierska (Warszawa)

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231 Generationen in Elfriede Jelineks Lust und Marlene Streeruwitz’ Sloane Square. Frausein- und Mütterlichkeitsmisere unter Generationen Agnieszka Jezierska (Warszawa) „Vielleicht ist nichts schwieriger als die Dekonstruktion von Mutterschaft“1, stellt Gerburg Treutsch-Dieter in der Einführung zu Gerlinde Maurers Buch Me- deas Erbe. Kindsmord und Mutterideal fest, und die Psychoanalytikerin Alice Miller bemerkt, dass die Idealisierung der Mutterliebe ein „Tabu [ist], das alle Entmystifizierungstendenzen unserer Zeit überdauert hat.“2 Diese Äußerungen sind nur eine Kostprobe der kritischen Stimmen zum Thema Mutter-Mythos, die in den letzten Jahrzehnten immer stärker werden. Nele Hempel spricht in einer Analyse der Mutterschaft im Streeruwitz’ Schaffen von „dem westlich-kapitalistischen Mythos der guten Mutter“.3 Die Mutterrolle ist wohl die am stärksten ausgeprägte abendländische Vorstellung von Weib- lichkeit. Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahr- hunderts wird die Mutterschaft häufig mithilfe des Medea-Mythos neu gedeutet. Inge Stephan stellt fest, dass die Rezeption dieses Mythos „ihren Höhepunkt nach 1989 [findet], wo es deutlich mehr Medea-Texte von Autorinnen als von Autoren gibt.“4 Ich möchte mein Augenmerk auf zwei Texte richten, die in Bezug auf den Mutter-Mythos zwei komplexe Diskurse aktualisieren, und zwar den mythischen und den christlichen: Es handelt sich um Lust (1989) von Elfriede Jelinek und Sloane Square (1992) von Marlene Streeruwitz. Im Fokus meines Erkenntnisin- 1 Gerburg Treutsch-Dieter: Vorwort. In: Gerlinde Maurer: Medeas Erbe. Kindsmord und Mutterideal. Wien: Milena 2002, S. 9. 2 Alice Miller: Das Drama des begabten Kindes und die Suche...

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