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Zwischen Aufbegehren und Anpassung

Poetische Figurationen von Generationen und Generationserfahrungen in der österreichischen Literatur- Unter Mitarbeit von Paweł Domeracki und Marta Wimmer

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Edited By Joanna Drynda

Der Sammelband ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts und setzt sich zum Ziel, die Ästhetisierung und Diskursivierung von Generationskonzepten und -erfahrungen im Rahmen der österreichischen Literatur zu orten. Das zeitliche und thematische Umfeld umfasst ein ganzes Spektrum literarischer Phänomene vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart hinein. Die Analysen der Darstellungen individueller wie auch gruppenspezifischer Erfahrungen richten ihr Augenmerk auf die Medien der Rebellion sowie auf die Arten der Verständigung über Generationsprobleme. Vor diesem Hintergrund wird der Generationen-Widerstreit beleuchtet, um aufzuzeigen, inwieweit Aufbegehren und Anpassung voneinander entfernt liegen, in welchem Maße sie Ausdruck einer genuinen Geisteshaltung sind und inwiefern sie sich literarischer Programme bedienen oder aber auch diese verwerfen.

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Pathologie und Patriarchat. Zu Paulus Hochgatterers forensischen Romanen. Konstanze Fliedl (Wien)

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255 Pathologie und Patriarchat. Zu Paulus Hochgatterers forensischen Romanen Konstanze Fliedl (Wien) 1. Macht und Delinquenz Psychiatrie. Paulus Hochgatterer ist Psychiater und 1961 geboren. Diese Tatsa- chen allein sind Indikatoren eines bestimmten Generationenproblems. Wenn man sich als Angehöriger dieses Jahrgangs zu einer solchen Ausbildung ent- schließt, hat man im Gepäck bereits ein Erbe, das von den etwa dreißig Jahre Älteren stammt, wie Franco Basaglia (geboren 1924), Ronald D. Laing (geboren 1929) und David Cooper (geboren 1931): die Antipsychiatrie. Diese ‚Väter’ hat- ten ihrerseits auf eine Hinterlassenschaft ihrer Vorgänger reagiert, den um 1900 Geborenen wie Alemida Lima (Jahrgang 1903), der 1936 die erste Lobotomie durchführte, oder Lucino Bini (Jahrgang 1908), der, ebenfalls in den 30er Jah- ren, die Elektroschocktherapie mitbegründete. Aus der Dialektik zwischen sol- chen Großvätern und solchen Vätern herauszufinden, war der Generation Hoch- gatterers aufgegeben. Warum will man 1985 Psychiater werden, also einer, der da schon seit eineinhalb Jahrzehnten mit David Cooper als Verräter am Patien- ten und mit Thomas S. Szasz als Nachfahre des Inquisitors beschrieben ist?1 Vielleicht, weil man es mit einem anderen Vater hält, mit Michel Foucault (ge- boren 1926), der ebendiese Dialektik bereits zeitgleich auf den Punkt gebracht hatte: Die Beschreibung der ‚fürchterlichen Maschinen’ der Gesellschaft, die Menschen sieben, ausmustern und einschließen, hielt ihn nicht davon ab, die Antipsychiatrie zu kritisieren, und zwar nicht theoretisch, sondern praktisch: Die antipsychiatrischen Schreie, so Foucault 1973, die etwa lauteten: „Alle Leute sind...

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