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Zwischen Aufbegehren und Anpassung

Poetische Figurationen von Generationen und Generationserfahrungen in der österreichischen Literatur- Unter Mitarbeit von Paweł Domeracki und Marta Wimmer

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Edited By Joanna Drynda

Der Sammelband ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts und setzt sich zum Ziel, die Ästhetisierung und Diskursivierung von Generationskonzepten und -erfahrungen im Rahmen der österreichischen Literatur zu orten. Das zeitliche und thematische Umfeld umfasst ein ganzes Spektrum literarischer Phänomene vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart hinein. Die Analysen der Darstellungen individueller wie auch gruppenspezifischer Erfahrungen richten ihr Augenmerk auf die Medien der Rebellion sowie auf die Arten der Verständigung über Generationsprobleme. Vor diesem Hintergrund wird der Generationen-Widerstreit beleuchtet, um aufzuzeigen, inwieweit Aufbegehren und Anpassung voneinander entfernt liegen, in welchem Maße sie Ausdruck einer genuinen Geisteshaltung sind und inwiefern sie sich literarischer Programme bedienen oder aber auch diese verwerfen.

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Die Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte in Martin Pollacks Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater. Janusz Golec (Lublin)

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283 Die Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte in Martin Pollacks Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater Janusz Golec (Lublin) Erinnerungsliteratur scheint im 21. Jahrhundert eine gute Konjunktur zu erleben. Berichte über Kriegskindheiten sowohl der sogenannten zweiten als auch der dritten Generation berühren die Gemüter der Leser und Forscher. Bombenkrieg, Kinderlandverschickung und vor allem Trümmerkindheit determinieren das Er- innerungsbild in Deutschland, Polen und Österreich. Als Beispiele seien hier nur drei Bücher erwähnt, die heftige Diskussionen in der Tagespresse und anderen Medien der genannten Länder anregten: Uwe Timms Familiengeschichte Am Beispiel meines Bruders, Jarosław Marek Rymkiewiczs Kinderszenen und Mar- tin Pollacks Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater.1 Für all diese Wer- ke ist charakteristisch, dass sie Konstrukte aus Erinnerungsfetzen, Dokumenten und Briefen sowie aus Alltagsmomenten sind, in denen Familiengeschichten mal konturiert, mal verschwommen ,unscharf’ im Vordergrund stehen und das Er- zählverfahren reflektiert wird. Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich: private Geschichte bezieht sich auf die ,große’ Geschichte, die Akribie der Be- schreibung verzahnt sich mit Vermutungen und Fragen, die nicht beantwortet werden (können): an die nackten, traurige Erlebnisse entlarvenden Wahrheits- momente schließen sich Passagen an, in denen die Autoren verstummen oder gar Fakten zu tabuisieren scheinen. Uwe Timms Suche nach der Wahrheit über den Bruder, der sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hat, wird deutlich auch zur Suche nach dem wahren Bild des Krieges, das er aufgrund der Briefe und der Tagebücher des Bruders rekonstruieren will. Der Autor...

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