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Auf der Suche nach den jüdischen Wurzeln

Zur Kritik «christlicher Sederfeiern»

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Elisabeth Hackstein

Bei der Aufarbeitung ihres Versagens während der Schoa haben sich die Kirchen auf das Judesein Jesu und die eigenen Wurzeln im Judentum besonnen. Dabei richtet sich das Interesse christlicher Gemeinden besonders auf das tiefere Verstehen des Abendmahls. In dem Wunsch, seinem Ursprung näher zu kommen, halten sie am Gründonnerstag das Sedermahl. Der Widerspruch des Judentums gegen die Imitation seiner Tradition und die Ergebnisse der historischen Sederforschung führen zu Anfragen an diese Praxis. Zudem finden mögliche Wirkungen auf den eigenen christlichen Glauben bisher kaum Beachtung. Diese Publikation stellt eine Untersuchung «christlicher Sederfeiern» aus den Jahren 2008 bis 2011 vor und diskutiert die Praxis insbesondere unter dem Aspekt der erneuerten christlich-jüdischen Beziehungen.

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II. Theoretische Grundlagen

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1. Gedenken und Gedächtnis: Eine Einführung Das Verb sachar33, das Gedenken34 in all seinen Formen umfasst, kommt in der Hebräischen Bibel 169mal vor. Es kann „gedenken, sagen, nen- nen, anrufen, schwören, melden, oder auch: Sünde bekennen“35 bedeu- ten und beschreibt eine lebendige, korrespondierende Beziehung zwi- schen dem Bundesgott und dem antwortenden Gedenken des Volkes Israel.36 Die Bedeutung des Gedenkens für das jüdische Volk auch heute 33 In Fachveröffentlichungen wird das Verb in der deutschen Schreibweise unterschiedlich wiedergegeben. Während z. B. Yosef H. Yerushalmi (Zachor: Erinnere Dich! Jüdische Geschich- te und jüdisches Gedächtnis, Berlin 1988) die Schreibweise zachar wählt, findet sich bei Albert Friedlander (Zachor – Gedenke! in: Evangelische Theologie 48 (1988), 378-388) die hier ge- wählte Form sachar. 34 Wahle differenziert zwischen erinnern und gedenken: „In der deutschen Sprache impli- ziert der Ausdruck ‚gedenken’ bereits eine Überschreitung bloßen Sich-Erinnerns. Es deutet auf ein vergangenes Geschehen oder Ereignis hin, welches eine Bedeutung für die Gegen- wart besitzt und darin auf unterschiedliche Weise fortwirkt. Insbesondere impliziert es ein Handlungsmoment, worin jedoch auch immer schon der Versuch begründet liegt, die Be- deutung des Gedenkenden für die Gegenwart und die Zukunft zu überwinden.“ Stephan Wahle, Gottes-Gedenken. Untersuchungen zum anamnetischen Gehalt christlicher und jüdischer Liturgie, Innsbruck – Wien 2006, 68. Auch Haarmann argumentiert, dass es für das Verb sachar im Deutschen keine „einfache, gradlinige Entsprechung“ gebe. Ihm stehe ein ganzes Wortfeld gegenüber. Sachar umfasse inhaltlich...

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