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Gender und nationale Identität im Westsahara-Konflikt

Implikationen für saharauische Frauen und weiblichen Aktivismus

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Maria Mayrhofer

Die Arbeit wurde 2011 mit dem Nachwuchspreis der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft (ÖGPW) ausgezeichnet.
Seit mittlerweile mehr als 35 Jahren kämpft die Bevölkerung der Westsahara für ihre Unabhängigkeit und gegen den Gebietsanspruch Marokkos auf das Territorium. Die saharauischen Frauen nehmen dabei eine ganz wesentliche Rolle ein – sowohl im Widerstand als auch bei der Organisation des täglichen Lebens in den Flüchtlingslagern, wo die Mehrheit der Saharauis lebt. Die Analyse des Verhältnisses zwischen Gender, nationaler Identität und Konflikt gibt Aufschluss über die multidimensionale Konstruiertheit saharauischer Weiblichkeit, die nicht selten im Widerspruch zur Lebensrealität der Frauen steht. Dabei werden sowohl Momente der Öffnung des Handlungsspielraums für Frauen als auch Tendenzen zu einer möglichen Remaskulinisierung identifiziert.

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1. Einleitung

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Seit mittlerweile mehr als 30 Jahren kämpft die Bevölkerung der Westsahara um ihre Unabhängigkeit und gegen den Gebietsanspruch Marokkos auf das Territo- rium. Ungefähr die Hälfte des saharauischen Volkes lebt bereits ebenso lange in Flüchtlingslagern auf algerischem Gebiet, die dem saharauischen Exilstaat, der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS), unterstehen. Trotz unmittelbarer Nachbarschaft zur EU wird dem Westsahara-Konflikt im deutschsprachigen Raum kaum Aufmerksamkeit geschenkt. So ist es nicht verwunderlich, dass den meisten Menschen, die mich nach dem Thema dieser Arbeit fragten, weder die Westsahara, noch der seit Jahren andauernde Konflikt ein Begriff war. Mir selbst erging es nicht anders. Durch Zufall stieß ich am Beginn meines Studiums auf eine Veranstaltung, bei der über den Westsahara-Konflikt debat- tiert wurde. Die Referentinnen aus der Westsahara waren allesamt Frauen, unter ihnen auch die Menschenrechtsaktivistin Aminatou Haidar und die Vertreterin der Polisario in Österreich, Nadjat Hamdi, die stolz über die Anliegen ihres Volkes, ihren persönlichen Leidensweg und den Konflikt berichteten. Ich war nicht nur schockiert von meiner Unwissenheit über die Situation in der Westsa- hara, sondern auch beeindruckt vom Mut, dem Selbstbewusstsein und dem En- gagement, mit dem diese Frauen hinter dem nationalistischen Projekt der Unab- hängigkeit zu stehen schienen. Die saharauischen Frauen treten nicht nur öffentlich für die nationalistischen Ziele ein, sondern haben auch in der saharauischen Gesellschaft eine selbstbe- wusste, aktive Rolle inne, die im Zusammenhang mit dem Westsahara-Konflikt in wissenschaftlichen Publikationen oder internationalen Medienberichten im- mer wieder besonders hervorgehoben wird: „Die saharauischen Frauen...

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