Show Less

Gender und nationale Identität im Westsahara-Konflikt

Implikationen für saharauische Frauen und weiblichen Aktivismus

Series:

Maria Mayrhofer

Die Arbeit wurde 2011 mit dem Nachwuchspreis der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft (ÖGPW) ausgezeichnet.
Seit mittlerweile mehr als 35 Jahren kämpft die Bevölkerung der Westsahara für ihre Unabhängigkeit und gegen den Gebietsanspruch Marokkos auf das Territorium. Die saharauischen Frauen nehmen dabei eine ganz wesentliche Rolle ein – sowohl im Widerstand als auch bei der Organisation des täglichen Lebens in den Flüchtlingslagern, wo die Mehrheit der Saharauis lebt. Die Analyse des Verhältnisses zwischen Gender, nationaler Identität und Konflikt gibt Aufschluss über die multidimensionale Konstruiertheit saharauischer Weiblichkeit, die nicht selten im Widerspruch zur Lebensrealität der Frauen steht. Dabei werden sowohl Momente der Öffnung des Handlungsspielraums für Frauen als auch Tendenzen zu einer möglichen Remaskulinisierung identifiziert.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

4. Gender, nationale Identität und Konflikt – Eine Dreiecksbeziehung

Extract

Im vorangegangenen Kapitel wurden Entstehung und Wesen der nationalen sa- harauischen Identität im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Westsahara untersucht. Nun wird der Fokus auf die Rolle, die Frauen im Rahmen der natio- nalen Identitätskonstruktion einnehmen, gelegt, um später die Implikationen der Dreiecksbeziehung Gender, nationale Identität und Konflikt für die saharaui- schen Frauen und den weiblichen Aktivismus untersuchen zu können. Um eine derartig gelagerte Analyse der Situation der saharauischen Frauen durchzuführen, müssen zuerst die einzelnen Komponenten – Gender, nationale Identität und Konflikt – auf theoretischer Ebene miteinander in Verbindung ge- setzt werden. 4.1 Begriffsdefinition „Gender“ Der Begriff „Gender“ stammt aus dem Englischen und meint das soziale Ge- schlecht. Im Gegensatz zu „sex“, dem biologischen Geschlecht, ist Gender nicht natürlich oder angeboren, sondern sozial und kulturell konstruiert und bezieht sich auf bestimmte persönliche, emotionale oder psychologische Eigenschaften und soziale Rollen, die in verschiedenen Kulturen „männlich“ oder „weiblich“ konnotiert sind (Harders 2002: 11; Steans 1998: 10-11). Als vorsozial bzw. natürlich konstruiert, dienen die den Frauen und Män- nern zugeschriebenen Geschlechteridentitäten und –rollen als Ordnungsprinzip, das in die gesellschaftlichen Machtstrukturen eingeschrieben ist und diese auf- recht erhält (Cockburn 2005: 14-15; Harders 2002: 15; Yuval-Davis 2001: 22). Daher sollte Gender „nicht als ‚wirkliche’ gesellschaftliche Differenz zwischen Männern und Frauen betrachtet werden, sondern eher als ein Diskurse ermögli- chender Hilfsbegriff, der sich auf Gruppen von Subjekten bezieht, deren gesell- schaftliche Rollen durch ihre sexuellen/biologischen Unterschiede definiert werden […]“ (Yuval-Davis...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.