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Gender und nationale Identität im Westsahara-Konflikt

Implikationen für saharauische Frauen und weiblichen Aktivismus

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Maria Mayrhofer

Die Arbeit wurde 2011 mit dem Nachwuchspreis der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft (ÖGPW) ausgezeichnet.
Seit mittlerweile mehr als 35 Jahren kämpft die Bevölkerung der Westsahara für ihre Unabhängigkeit und gegen den Gebietsanspruch Marokkos auf das Territorium. Die saharauischen Frauen nehmen dabei eine ganz wesentliche Rolle ein – sowohl im Widerstand als auch bei der Organisation des täglichen Lebens in den Flüchtlingslagern, wo die Mehrheit der Saharauis lebt. Die Analyse des Verhältnisses zwischen Gender, nationaler Identität und Konflikt gibt Aufschluss über die multidimensionale Konstruiertheit saharauischer Weiblichkeit, die nicht selten im Widerspruch zur Lebensrealität der Frauen steht. Dabei werden sowohl Momente der Öffnung des Handlungsspielraums für Frauen als auch Tendenzen zu einer möglichen Remaskulinisierung identifiziert.

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6. Conclusio und Ausblick

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Der Konflikt um die Westsahara konnte auf Grund des Scheiterns des Anfang der 1990er Jahre ausverhandelten Friedensabkommen bis dato nicht beigelegt werden. Trotz des langen Waffenstillstandes bleibt die Lage für die saharauische Bevölkerung prekär. In den von Marokko besetzten Gebieten sehen sich die dort lebenden Saharauis mit diversen Einschränkungen ihrer persönlichen und politi- schen Freiheiten konfrontiert, in den Flüchtlingslagern dominieren Lebensmit- telknappheit, die Abhängigkeit von internationalen Hilfslieferungen und die omnipräsente Exilsituation ihren Alltag. Gleichzeitig ist gerade dort, im algerischen Exil, ein Nationbuilding-Projekt sondergleichen entstanden, das die Lager der DARS im Vergleich zu anderen Flüchtlingslagern auf der ganzen Welt zu einer Ausnahme macht. Über die ideo- logischen und materiellen Strukturen des Exilstaates bindet die Polisario jede einzelne und jeden einzelnen der Flüchtlinge in das nationale Projekt mit ein. Die Quintessenz des „Saharauischen“, die sich über Jahre hinweg von den triba- len Strukturen hin zur gemeinsamen, kolonialen Erfahrung und im Widerstand gegen fremde Vereinnahmung herausgebildet hat, wurde schon zu Beginn des antikolonialen Widerstandes von der Polisario als Bezugsrahmen gemeinsamer, nationaler Identität herangezogen und zur Mobilisierung der saharauischen Be- völkerung für den Kampf um die Unabhängigkeit instrumentalisiert. Durch die Schaffung des Exilstaates und die Einbindung der Saharauis in dessen Struktu- ren konstruierte die Polisario die saharauische Willensnation als prefigurativen Staatsversuch und materielle Basis nationaler saharauischer Identität. Die Kohä- renz und die fortwährende Reproduktion der nationalen Zusammengehörigkeit wird durch verschiedenste diskursive Strategien der Identitätskonstruktion, wie...

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