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Eine an sich mittelmäßige Frage

Der deutsch-dänische Konflikt 1864

Karl-Otto Hagelstein

Der deutsch-dänische Konflikt des Jahres 1864 spielt in der deutschen Geschichtswissenschaft eine eher untergeordnete Rolle. Vornehmlich wird er nur als Auftaktveranstaltung und militärischer Probelauf zur deutschen Einigung gesehen. Bismarcks im Titel aufgegriffene Einschätzung ist auch hierin wirkmächtig geblieben. Die politischen und rechtlichen Positionen der kleineren deutschen Staaten wurden ebenso häufig ignoriert wie die des Prätendenten Friedrich von Augustenburg. Ein noch geringerer Stellenwert wird der dänischen Seite mit ihrem Konfliktpotential zwischen Nationalliberalen und Gesamtstaatlern eingeräumt. Diese Haltung übersieht die Nachwirkung, die der Konflikt auf die dänische Mentalität im Grunde bis heute hat. Die Darstellung versucht, die diversen politischen Interessenlagen, ihre Einbindung in den Rechtsrahmen der Verfassung des Deutschen Bundes sowie auf internationaler Ebene in die politischen Konstellationen zwischen den europäischen Großmächten zu einer Gesamtperspektive zu verbinden. Damit strebt sie eine Würdigung dieser Auseinandersetzung an, die über die nationalpolitische Begrenzung der preußisch-kleindeutschen Lösung hinausweist.

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3 Von der Exekution zum Krieg

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3.1 Die Pfandnahme des Herzogtums Schleswig Holstein war von Bundestruppen besetzt; die Dänen hatten sich hinter die Eider zu- rückgezogen; die Zivilkommissare des Bundes residierten in Altona; Friedrich saß als Privatmann in Kiel. Das war die Lage zu Neujahr 1864. Im Lande vermischte sich Freude über das Erreichte mit Unsicherheit vor der Zukunft, Mißtrauen gegenüber dem Bund und namentlich gegen die Politik der Großmächte: Nach Schleswig marschierten beide „nur aus Neid und Eifersucht aufeinander! Nun, man muß solche Mistbeetgesin- nung auch benutzen, wenn sie nur eine gute Frucht heranreifen macht.“ Zwar wollte man sich eine Wiederauslieferung an Dänemark kaum vorstellen, aber sicher war man seiner Sache keineswegs. Und so speiste die Zuversicht sich denn aus „Fanatismus und Verblendung“ der Dänen. Holstein hatte Kopenhagen jedoch weitgehend abgeschrie- ben. Dem doppelten politischen Ziel, die Verbindung der Herzogtümer zu bewahren und ihre Trennung von Dänemark durchzusetzen, war Schleswig-Holstein aber eben deshalb durch die Bundesexekution nicht viel näher gekommen, denn die Trennung von Dänemark war in der Tat noch nicht das Ziel aller Beteiligten.137 Rechbergs Vorstellungen sahen anders aus. Er strebte die „konservative Lösung“ an, den „Sieg des Schleswig-Holsteinismus innerhalb der dänischen Monarchie“. Zwischen dem Drängen Frankreichs nach der Rheingrenze und dem deutschen Drän- gen nach Schleswig sah er keinen Unterschied. Dennoch mußte er einsehen, daß gera- de Schleswigs wegen etwas geschehen mußte. Denn der Bund, so hatte er schon Mitte Dezember an Karolyi geschrieben, werde...

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