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Eine an sich mittelmäßige Frage

Der deutsch-dänische Konflikt 1864

Karl-Otto Hagelstein

Der deutsch-dänische Konflikt des Jahres 1864 spielt in der deutschen Geschichtswissenschaft eine eher untergeordnete Rolle. Vornehmlich wird er nur als Auftaktveranstaltung und militärischer Probelauf zur deutschen Einigung gesehen. Bismarcks im Titel aufgegriffene Einschätzung ist auch hierin wirkmächtig geblieben. Die politischen und rechtlichen Positionen der kleineren deutschen Staaten wurden ebenso häufig ignoriert wie die des Prätendenten Friedrich von Augustenburg. Ein noch geringerer Stellenwert wird der dänischen Seite mit ihrem Konfliktpotential zwischen Nationalliberalen und Gesamtstaatlern eingeräumt. Diese Haltung übersieht die Nachwirkung, die der Konflikt auf die dänische Mentalität im Grunde bis heute hat. Die Darstellung versucht, die diversen politischen Interessenlagen, ihre Einbindung in den Rechtsrahmen der Verfassung des Deutschen Bundes sowie auf internationaler Ebene in die politischen Konstellationen zwischen den europäischen Großmächten zu einer Gesamtperspektive zu verbinden. Damit strebt sie eine Würdigung dieser Auseinandersetzung an, die über die nationalpolitische Begrenzung der preußisch-kleindeutschen Lösung hinausweist.

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5 Die Zeit der Londoner Konferenz

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5.1 Anläufe An Versuchen, den deutsch-dänischen Konflikt durch eine internationale Konferenz, zumindest aber durch Vermittlung einer neutralen Macht beizulegen, hatte es schon in der Vergangenheit nicht gefehlt. Bisher waren sie jedoch stets an den Klippen diver- gierender Interessen aufgelaufen. Bereits im Vorfeld des endgültigen Beschlusses der Bundesversammlung zur Durchführung der Bundesexekution hatte Russell in einer Depesche vom 29. Sept. 1863 dem Bund seine Mediation angeboten. Ton und Inhalt dieses Vermittlungsangebotes waren aber von der Art, daß nicht einmal Rechberg dar- auf eingehen mochte. Zu der von Wien angeregten Ablehnung des britischen Vorsto- ßes hatte Bismarck sich aber nicht sogleich verstehen mögen, wie er denn überhaupt die Taktik verfolgte, Verhandlungsvorschläge aus dem Kreis der europäischen Mächte nicht rundweg zu verwerfen. Das Odium, nicht gesprächsbereit zu erscheinen, wollte er unter keinen Umständen auf sich laden. So auch, als Napoleon III. Anfang Novem- ber eine Idee umsetzte, die er schon seit zwanzig Jahren mit sich herumtrug, und offi- ziell einen gesamteuropäischen Kongreß zur Klärung aller Streitfragen vorschlug. Es sollte ein zwangloser Meinungsaustausch werden, ohne Tagesordnung, ein Fürsten- kongreß, auf dem jeder sein Herz ausschütten konnte, und wenn die Probleme erst einmal auf dem Tisch lägen, werde sich schon alles lösen lassen. Über Schleswig-Hol- stein konnte man reden, aber auch über Polen, die Donaufürstentümer, Italien, Rom oder eine allgemeine europäische Abrüstung. Nicht eine Beseitigung des Systems von 1815 sollte das Ziel sein, sondern seine...

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