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Eine an sich mittelmäßige Frage

Der deutsch-dänische Konflikt 1864

Karl-Otto Hagelstein

Der deutsch-dänische Konflikt des Jahres 1864 spielt in der deutschen Geschichtswissenschaft eine eher untergeordnete Rolle. Vornehmlich wird er nur als Auftaktveranstaltung und militärischer Probelauf zur deutschen Einigung gesehen. Bismarcks im Titel aufgegriffene Einschätzung ist auch hierin wirkmächtig geblieben. Die politischen und rechtlichen Positionen der kleineren deutschen Staaten wurden ebenso häufig ignoriert wie die des Prätendenten Friedrich von Augustenburg. Ein noch geringerer Stellenwert wird der dänischen Seite mit ihrem Konfliktpotential zwischen Nationalliberalen und Gesamtstaatlern eingeräumt. Diese Haltung übersieht die Nachwirkung, die der Konflikt auf die dänische Mentalität im Grunde bis heute hat. Die Darstellung versucht, die diversen politischen Interessenlagen, ihre Einbindung in den Rechtsrahmen der Verfassung des Deutschen Bundes sowie auf internationaler Ebene in die politischen Konstellationen zwischen den europäischen Großmächten zu einer Gesamtperspektive zu verbinden. Damit strebt sie eine Würdigung dieser Auseinandersetzung an, die über die nationalpolitische Begrenzung der preußisch-kleindeutschen Lösung hinausweist.

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6 Der Bund wird ausgeschaltet

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6.1 Friede um jeden Preis Bevor am 18. Juli der Waffenstillstand zwischen Dänemark und den deutschen Groß- mächten geschlossen wurde, flackerte noch einmal der Gedanke an eine Kriegsbeteili- gung des Deutschen Bundes auf. Einmal mehr war Sachsen die treibende Kraft. Die Absicht lag auf der Hand: Wollte man bei den Friedensverhandlungen ein Wörtchen mitreden können, mußte man zuvor schon mal aus der Etappe gekommen sein. Außer- dem würde mit Kriegsende auch die Exekution für Holstein hinfällig werden. Die Ge- fahr einer völligen Verdrängung des Bundes war nicht zu übersehen. Allerdings war mittlerweile auch Dresden etwas vorsichtiger geworden und wagte ohne Kenntnis der Ansichten der Großmächte nicht mit einem Antrag vorzupreschen. Beust gab sich gar nicht mehr so engagiert in dieser Frage wie früher. Ihm ging es auch darum, den säch- sischen Kontingenten noch eine letzte Chance zur Betätigung zu verschaffen, denn das Offizierscorps war mißvergnügt über die erzwungene Tatenlosigkeit. Sein Elan dürfte aber auch durch die Zurückhaltung der übrigen Mittelstaaten gebremst worden sein. In Frankfurt herrschte keine überschäumende Kriegsbegeisterung. Samwer kam von dort mit der Erkenntnis zurück, daß es gegenwärtig nicht opportun sei, den Bund zum Kriegseintritt zu drängen. Der sächsische Minister überließ daher die Antragsinitiative selbstlos den Großmächten. Die hatten sich das aber gerade andersherum gedacht. Er habe, teilte Rechberg Kübeck mit, dieses Problem intensiv mit Bismarck erörtert, und...

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