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Stadtraum in Performance

"Site-specific Performance Art</I> und die Kunst des Alltags

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Katia Beuth

Diese Studie verbindet drei aktuelle Diskurse um den städtischen öffentlichen Raum: den soziologischen und stadtarchitektonischen Diskurs um Stadterneuerungsmaßnahmen, Gentrifizierung, Raumstrukturierung, Privatisierung, Urbanisierung und zunehmende Überwachung, die aktuellen Strömungen in der site-specific Performance Art in Deutschland und Großbritannien sowie die Theorien des Alltagslebens, die u. a. von Michel de Certeau, Marc Augé und Roland Barthes entwickelt wurden. Durch das Zusammenführen künstlerischer Positionen, die durch die Beschreibung konkreter Performancearbeiten dargestellt werden, und soziologischer, philosophischer und anthropologischer Theorien entwickelt die Autorin die These, dass Städte erst durch eine Praxis und die Ablagerung von Geschichten und Erinnerungen bewohnbar werden.

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1. Einführung: Die Stadt in Alltag und Performance

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Und wahrscheinlich, denke ich jetzt im nachhinein, habe ich in erster Linie gestaunt. Ge- staunt über die Vielseitigkeit von Städten, über die merkwürdige Art und Weise, wie sie plötzlich irgendwo mitten auf einer Fläche beginnen, über die täglich wiederkehrende Ebbe und Flut ihrer Bevölkerung, über die Tatsache, daß aus allen Hähnen Wasser fließt, daß man immer wieder in allen Restaurants etwas zu essen bekommt, daß man sich so gut in ihnen verbergen kann, daß sie manchmal schon fast vor dem Tode stehen und dann doch nicht sterben, daß sie Kriege überleben, daß sie sich auf dem Untergrund ihrer eigenen Geschichte selbst in einem fort weiterbauen, daß man in ihnen in aller Öffentlichkeit albern sein kann, unbemerkt sterben kann, seine Botschaften von Haß und Liebe an Mauern schreiben kann, daß sie unendlich arm sind und die größten Schätze beherbergen, daß sie die Vergangenheit in ihren Straßennamen bewahren, daß sie ihre Bewohner mal kosen und dann wieder strafen und daß diese Bewohner immer wieder namenlos verschwinden und die Stadt einfach wei- tergeht, eine Passage, ein Durchgangshaus, eine Seele, die ihre Bewohner dazu benutzt, um sich selbst zu behaupten.1 Dieses Staunen über die Stadt durchzieht die Performances, mit denen ich mich in dieser Arbeit beschäftigen möchte. Sie alle werden angetrieben von einer Faszination, die nicht einfach zu erklären ist. Worin liegt der Reiz, durch eine Stadt zu gehen, sich hierhin und dorthin treiben zu lassen, zufällige Begegnun- gen...

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