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Stadtraum in Performance

"Site-specific Performance Art</I> und die Kunst des Alltags

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Katia Beuth

Diese Studie verbindet drei aktuelle Diskurse um den städtischen öffentlichen Raum: den soziologischen und stadtarchitektonischen Diskurs um Stadterneuerungsmaßnahmen, Gentrifizierung, Raumstrukturierung, Privatisierung, Urbanisierung und zunehmende Überwachung, die aktuellen Strömungen in der site-specific Performance Art in Deutschland und Großbritannien sowie die Theorien des Alltagslebens, die u. a. von Michel de Certeau, Marc Augé und Roland Barthes entwickelt wurden. Durch das Zusammenführen künstlerischer Positionen, die durch die Beschreibung konkreter Performancearbeiten dargestellt werden, und soziologischer, philosophischer und anthropologischer Theorien entwickelt die Autorin die These, dass Städte erst durch eine Praxis und die Ablagerung von Geschichten und Erinnerungen bewohnbar werden.

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2. „Ground Plans for Paradise“– Die Stadt in der Ferne

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23 2. „Ground Plans for Paradise“ – Die Stadt in der Ferne Folgen wir zuerst Michel de Certeau auf seiner Reise in den 110. Stock des World Trade Centers, mit der er das Kapitel über die „Praktiken im Raum“ in seiner kleinen aber einflussreichen Studie über die „Kunst des Handelns“ eröffnet31 und genießen die Aussicht über New York. Von hier oben bietet sich Manhattan de Certeaus Blick als ein Häusermeer dar, eine „Dünung aus Vertikalen“, als eine „gigantische Masse“, ein „monumentales Relief“32. Hier oben ist der Besucher dem Chaos, dem Lärm und der Nervosität des New Yorker Verkehrs entzogen. Die Stadt wird überschaubar und lesbar, und in diesem Universum zu lesen, ruft in de Certeau „höchste Lust“ hervor33, den „Überschwang eines skopischen und gnostischen Triebes“34. Seine erhöhte Position erlaubt ihm, sich der Faszination hin- zugeben, die Stadt zu überschauen und dadurch die „Erotik des Wissens“35 zu er- fahren, die ein solcher Blickpunkt gestattet. Denn der Ort, an dem der „Voyeur- Gott“36 aus dem finsteren Raum, in dem sich die Massen bewegen, herausgehoben ist und von dem aus er diese Massen beobachten kann, hierarchisiert die Bezie- hung zwischen ihm und den von ihm Beobachteten: Indem er sie sehen kann, ohne dass sie ihn sehen, kann er sie zum Gegenstand seines Wissensdrangs und seiner Beobachtunglust machen. Der Wunsch, diese Perspektive einzunehmen, die dem Fußgänger unten auf seinem „finsteren“ und „blinden“37 Weg verwehrt ist, „ist den Möglichkeiten seiner...

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