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Stadtraum in Performance

"Site-specific Performance Art</I> und die Kunst des Alltags

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Katia Beuth

Diese Studie verbindet drei aktuelle Diskurse um den städtischen öffentlichen Raum: den soziologischen und stadtarchitektonischen Diskurs um Stadterneuerungsmaßnahmen, Gentrifizierung, Raumstrukturierung, Privatisierung, Urbanisierung und zunehmende Überwachung, die aktuellen Strömungen in der site-specific Performance Art in Deutschland und Großbritannien sowie die Theorien des Alltagslebens, die u. a. von Michel de Certeau, Marc Augé und Roland Barthes entwickelt wurden. Durch das Zusammenführen künstlerischer Positionen, die durch die Beschreibung konkreter Performancearbeiten dargestellt werden, und soziologischer, philosophischer und anthropologischer Theorien entwickelt die Autorin die These, dass Städte erst durch eine Praxis und die Ablagerung von Geschichten und Erinnerungen bewohnbar werden.

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3. Die Surveillance Camera Players– Die Stadt als „Kerker-Archipel“

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33 3. Die Surveillance Camera Players – Die Stadt als „Kerker-Archipel“ Kehren wir nun wieder zu de Certeau zurück, den wir im 110. Stock des World Trade Center verlassen haben. Die Aussicht von dort oben lädt nicht nur zum Träumen ein, vielmehr ist sie auch eine Position des Wissens und des Erkennt- nisgewinns, einer hierarchisch strukturierten Beziehung zwischen Schauendem und Gesehenem, es ist die Perspektive, die den Gegenstand der Untersuchung Foucaults in „Überwachen und Strafen“77 bildet. De Certeaus „skopischer und gnostischer“ Trieb macht ihn Foucaults Paradebeispiel des Wachmanns im Turm von Benthams Panopticon78 vergleichbar, aber auch den „Stadtgeometern“, die Stadtplaner Baron von Haussmann während der Modernisierung Paris‘ unter Napoleon III. einsetzte und die Richard Sennett als Beispiel wählt, um das Zu- sammenfallen eines alles überscheunden Blickpunkts und eines Machtmonopols zu veranschaulichen79. Die umfassende Umgestaltung Paris’ kann als Beispiel dafür dienen, wie ein Raum durch strategisches Wissen und eine panoptische Perspektive strukturiert wird. Um eine Wiederholung der Revolution zu verhindern und gleichzeitig dem zunehmenden Verkehr eine ungehinderte Zirkulation und das Hinein- und Hinaus- strömen in und aus der Stadt zu erleichtern, wurden mehrspurige Boulevards wie Schneisen durch die Armenviertel geschlagen, die beide Funktionen erfüllten. Der Verkehrsfluss schuf nun „eine Mauer sich bewegender Fahrzeuge, hinter der die Fragmente der ärmeren Bezirke lagen. Die Breite dieser Straßen war zudem im Sinne von Haussmanns Angst vor der Bewegung revolutionierender Massen genau kalkuliert“80. Einerseits sollte sie die Errichtung von Barrikaden unmöglich machen81, andererseits erlaubte...

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