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Euphemismen des Wirtschaftsdeutschen aus Sicht der anthropozentrischen Linguistik

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Pawel Bak

Die Arbeit untersucht die Präsenz von Euphemismen in wirtschaftsdeutschen Diskursen. Anhand der analysierten Fachpressetexte über die Finanz- und Wirtschaftskrise im Zeitraum von 2007 bis 2011 werden Funktionen und Formen des Euphemisierens in einem kommunikativen Bereich diskutiert, der unter diesem Gesichtspunkt bislang als Terra incognita gelten darf. In der sprachtheoretischen Reflexion werden für die Betrachtung der Euphemismen relevante Kriterien herausgearbeitet. Den Zugang zum Untersuchungsgegenstand bietet die anthropozentrische Linguistik von Franciszek Grucza. Zu den zentralen Ideen dieses Ansatzes gehören u. a. die Einbeziehung des Sprachbenutzers in die einschlägige Diskussion sowie die Frage nach dem ontologischen Status von Sprache.

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0. Einleitung

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0.1. Problemstellung In der Euphemismusforschung, die auf eine reiche Tradition seit der Antike zu- rückblickt, findet man viele verschiedene Sichtweisen der Euphemismen. Die Euphemisierung erscheint hierbei zumeist als beschönigende Umbenennung, als Ersatz oder Ausschmückung, die beispielsweise aus Gründen der Tabuisierung von Themen oder aus der Unangemessenheit von sprachlichen Formen zur Anwendung gelangt. Euphemismen kommen in unterschiedlichsten Diskursen und aus vielerlei Gründen vor und werden in der sprachwissenschaftlichen Forschung aus verschie- denen Blickwinkeln, u.a. aus der semantischen, pragmatischen, soziolinguistischen, formal-ästhetischen bzw. stilistischen Perspektive betrachtet. Neben der traditionel- len Auffassung als Konkurrenzbezeichnung für ein Verbum proprium1 vermögen Versuche einer moderneren Herangehensweise – z.B. unter Zuhilfenahme der Ka- tegorie der „Political Correctness“ – nicht, dem Wesen der Euphemisierung als dy- namisches und relatives Charakteristikum sowie multifunktionale Erscheinung ge- recht zu werden. Der Euphemismus fungiert oft im allgemeinen Bewusstsein der Sprachbenutzer als interessenabhängiges Mittel der Verschleierung und tritt immer häufiger als Ob- jekt der Betrachtung in verschiedenen Diskursen, auch in der populärwissenschaft- lichen sowie sprachtheoretischen Literatur, als Mittel der Persuasion und verbale Handlungsstrategie auf. Nichtsdestoweniger geht man in der linguistischen For- schung an den Euphemismus als kulturell, religiös oder auch strategisch motivierte Erscheinung des Sprachgebrauchs heran. Dies erfolgt allerdings nicht selten unter Heranziehung derselben Kategorien, insbesondere des „Tabus“, wobei letzteres beinahe undifferenziert,2 verallgemeinert, in Bezug auf verschiedene Funktionen des euphemistischen Sprachgebrauchs sowie auf diverse kommunikative Domänen eingesetzt wird. Durch eine pauschale Betrachtung wird sogar mit dem Tabu- Euphemismus, d.h. der harmlosen, verh...

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