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Euphemismen des Wirtschaftsdeutschen aus Sicht der anthropozentrischen Linguistik

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Pawel Bak

Die Arbeit untersucht die Präsenz von Euphemismen in wirtschaftsdeutschen Diskursen. Anhand der analysierten Fachpressetexte über die Finanz- und Wirtschaftskrise im Zeitraum von 2007 bis 2011 werden Funktionen und Formen des Euphemisierens in einem kommunikativen Bereich diskutiert, der unter diesem Gesichtspunkt bislang als Terra incognita gelten darf. In der sprachtheoretischen Reflexion werden für die Betrachtung der Euphemismen relevante Kriterien herausgearbeitet. Den Zugang zum Untersuchungsgegenstand bietet die anthropozentrische Linguistik von Franciszek Grucza. Zu den zentralen Ideen dieses Ansatzes gehören u. a. die Einbeziehung des Sprachbenutzers in die einschlägige Diskussion sowie die Frage nach dem ontologischen Status von Sprache.

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1. Euphemismus in der wissenschaftlichen Reflexion

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1.1. Zum Terminus „Euphemismus“ Der Euphemismus ist Teil einer traditionsreichen Geschichte der Reflexion, die zumeist durch die Stilkunde, Rhetorik,16 Literaturwissenschaft, Pragmalinguistik, Lexikographie, Semantik und diverse sprachsystematische Betrachtungsansätze17 fundiert ist. Beispielsweise werden in der literaturwissenschaftlichen Blickrichtung, die immer noch in vielen Nachschlagewerken und Lexika vorherrscht (s. u.a. von Wilpert 1979: 246, Best 2002: 164), oft in erster Linie ästhetische Aspekte der Euphemisierung im literarischen Bereich hervorgehoben.18 Aus dieser Perspektive vorgenommene Auslegungen weisen jedoch – trotz der relativ breit gespannten dis- ziplinären Ausrichtung – gewisse Berührungspunkte zu den älteren Definitionen auf, die man den linguistisch fundierten Arbeiten, Monographien, Nachschlage- werken und sprachwissenschaftlichen Fachlexika entnehmen kann. Im Sachwörter- buch der Literatur von Wilpert finden wir beispielsweise die nachstehende Defini- tion: Uneigentliche Redeweise: verhüllende Umschreibung (Periphrase) e[iner] unangeneh- men, anstößigen oder unheilbringenden Sache (Tabu) durch e[inen] mildernden oder be- schönigenden Ausdruck aus Schamgefühl, Anständigkeit, religiöser Scheu oder Aber- glauben, der gefahrbringende Worte meidet, auch allg[emein] zu rhetorischen Zwecken, z.B. entschlafen für sterben, Luzifer (lat. Lichtbringer) für Teufel u.ä.; auch Fremdwör- ter dienen z.T. der Vermeidung unschöner Worte, z.B. transpirieren für schwitzen. Übersteigerter E[uphemismus] ironisiert die sich hinter ihm verbergenden ges[ellschaftlichehn] Tabus, z.B. in Th. Manns Felix Krull. (Wilpert 1979: 246) Eine neuere komprimiert gefasste Definition ist dem Handbuch literarischer Fach- begriffe von Otto F. Best (2002) zu entnehmen: Euphemismus […] verhüllende, beschönigende Umschreibung einer unangenehmen oder anstößigen Sache, auch zu bewußter Ironisierung...

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