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Bildung und literarische Kompetenz nach PISA

Konzeptualisierungen literar-ästhetischen Verstehens am Beispiel von Test-, Prüf- und Lernaufgaben

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Martina von Heynitz

Im Rahmen der Debatte um Kompetenzen seit den PISA-Testungen 2000 und den sich anschließenden Bildungsreformen will diese Arbeit den Entwicklungen im Bereich der schulischen Vermittlung und Überprüfung von Kenntnissen und Fähigkeiten am Beispiel literarischen Lernens nachgehen. Die Auseinandersetzung gilt zunächst der Frage nach einem tragfähigen Bildungsbegriff öffentlicher Schulen im Spannungsfeld von Bildungstheorie, empirischer Bildungsforschung und bildungspolitischer Steuerung. In einem weiteren Schritt werden Chancen und Grenzen der empirischen wie fachdidaktischen Modellierung literarischer Rezeptionskompetenz beleuchtet. Vor diesem Hintergrund gibt die Untersuchung von Prüfaufgaben für den Mittleren Schulabschluss im Fach Deutsch Auskunft über die bildungsadministrative Auslegung von Kompetenz im Umgang mit literarischen Texten. Im Anschluss werden Lernaufgaben aus Deutschlehrwerken für die 10. Klasse auf ihre Konzeptualisierungen literarischer Kompetenz hin analysiert. Dabei lässt sich eine deutliche Rückwirkung der Einführung von Bildungsstandards und einer neuen Test- und Prüfaufgabenkultur auf die Didaktisierung literarischen Lernens nachzeichnen.

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I. Einleitung

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Im Unterschied zu früheren Leistungsmessungen1 haben die PISA-Testungen aus dem Jahr 2000 aufgrund der schwachen Ergebnisse deutscher Schülerinnen und Schüler ein großes öffentliches Interesse an schulischer Bildung ausgelöst. Der bei PISA vorgenommene funktionalistische Zugriff auf Bildung wurde tra- ditionellen Bildungsvorstellungen gegenüber gestellt und als Lösung aller mit den Testungen konstatierten Problematiken und Defizite betrachtet. Im Zuge dessen wurden von bildungspolitischer Seite umgehend Bildungsreformen unter den Schlagworten ‚Bildungsstandards’, ‚Kompetenz- und Outputorientierung’ eingeführt, welche die Qualität schulischen Lernens über die zu erreichenden Abschlussleistungen steigern und sichern sollen. Bekannt sind solche Bildungs- programme, die sich im Besonderen über empirische Leistungsmessungen und - vergleiche in Form zentraler Test- und Prüfverfahren legitimieren, aus dem eng- lischen bzw. amerikanischen Sprachraum. Das 2002 von der Bush-Regierung verabschiedete Bildungsgesetz „No child left behind“ sieht vor, alle US- amerikanischen Schülerinnen und Schüler mit einem Mindestmaß an ‚Grundbil- dung’ zu versorgen, die zu einer adäquaten gesellschaftlichen und wirtschaftli- chen Teilhabe befähigen soll. Seine Wurzeln hat das damit propagierte Bil- dungsverständnis in der kognitionspsychologischen Lehr-/Lernforschung sowie einer vorwiegend mit quantitativen Methoden arbeitenden empirischen Bil- dungsforschung. Dabei wird, wie auch im Rahmen des durch die PISA-Forscher vorgelegten Konzepts, auf Begriffe Bezug genommen, die ursprünglich dem Sektor der industriellen Produktion sowie der Organisation standardisierter Ar- beitsabläufe und -ergebnisse zuzuordnen sind und im Rahmen von ‚Grundbil- dung’ auf die schulische Bildung Heranwachsender übertragen werden. Angesichts in der Regel recht unkritischer Adaptionen des Bildungsver- ständnisses der empirischen...

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