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Der Antijudaismus auf dem Weg vom Judentum zum Christentum

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Peter Landesmann

Anhand der Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria werden die in der Zeitenwende in Palästina vorhandenen Geisteshaltungen dargestellt und die in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten aufgetretenen deuteronomistischen, weisheitlichen, apokalyptischen und hellenistischen Tendenzen berücksichtigt. Das Wirken von Jesus wird im Einklang mit seinem Judentum beschrieben und seine Kreuzigung durch die damals herrschende und später revidierte Ansicht über einen Messias erklärt, der gewaltsam zu seiner Herrschaft gelangen sollte. Die Loslösung der Jesusanhänger vom Judentum und der darauf folgende innerchristliche Konflikt begründet die antijudaistische Haltung maßgebender Kirchenväter. Diese sahen in der Beibehaltung jüdischer Bräuche der Judenchristen eine Gefahr für die Einheit des Christentums, das schon im zweiten Jahrhundert von den Christen dominiert wurde, die aus dem Heidentum stammten. Diese Einstellung gegen die judaisierenden Christen führte dann zu den antijudaistischen Aussagen christlicher Theologen.

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1. Vorwort

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1.1 Die Einleitung Das Christentum betrachtet sich als das Erbe des Judentums. Die Bücher der Hebräischen Bibel wurden als „Altes Testament“ in die christliche Bibel inte- griert. Diese Integration ging so weit, dass im Neuen Testament 212 Stellen der Hebräischen Bibel, die sogar aus mehreren Versen bestehen können, zum Teil sogar mehrfach angeführt sind. Die Hebräische Bibel wurde somit als „Altes Testament“ ein Teil der christlichen Bibel. Ein Theologe, der später als Häretiker gebrandmarkt wurde und der einen Keil zwischen die Hebräischen Bibel und die Evangelien treiben wollte, war Marcion (85 – nach 144 n.Chr.). Seiner Ansicht nach sollte das Alte Testament verworfen werden, weil es ei- nen zürnenden, gerechten, letztlich »bösen« Gott (den Schöpfergott, Demiurgen) verkünde, der mit dem neutestamentlichen Gott der Liebe nichts gemein habe. Christus, der diesen Gott der Liebe verkündete, habe sich durch sein Leiden in einem zum Schein angenommenen Leibe (Doketismus) aus der Macht des De- miurgen befreit. Diese Ansicht, wonach der jüdische Gott ein rachsüchtiger, böser Gott sei, wurde auch später immer wieder vertreten, obwohl die Kirche solchen Lehren stets entgegentrat. Wenn wir den Auffassungsunterschied suchen, wo die christliche Religion vom Judentum abgewichen ist, so ist dieser in den widersprechenden Ansichten über die Person Jesus zu finden. Am Beginn dieser Weggabelung stand die Frage über die Messianität Jesu. Um die Entstehung des Begriffes eines Messias zu verstehen, haben wir die vielfältigen Tendenzen im Judentum zu...

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