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Der Antijudaismus auf dem Weg vom Judentum zum Christentum

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Peter Landesmann

Anhand der Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria werden die in der Zeitenwende in Palästina vorhandenen Geisteshaltungen dargestellt und die in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten aufgetretenen deuteronomistischen, weisheitlichen, apokalyptischen und hellenistischen Tendenzen berücksichtigt. Das Wirken von Jesus wird im Einklang mit seinem Judentum beschrieben und seine Kreuzigung durch die damals herrschende und später revidierte Ansicht über einen Messias erklärt, der gewaltsam zu seiner Herrschaft gelangen sollte. Die Loslösung der Jesusanhänger vom Judentum und der darauf folgende innerchristliche Konflikt begründet die antijudaistische Haltung maßgebender Kirchenväter. Diese sahen in der Beibehaltung jüdischer Bräuche der Judenchristen eine Gefahr für die Einheit des Christentums, das schon im zweiten Jahrhundert von den Christen dominiert wurde, die aus dem Heidentum stammten. Diese Einstellung gegen die judaisierenden Christen führte dann zu den antijudaistischen Aussagen christlicher Theologen.

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6. Der apokalyptische Einfluss

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Um 200 v.Chr. entstand das außerkanonische Buch Tobit mit folgender Weissa- gung: „Dann wird Gott Erbarmen mit ihnen haben und sie wieder in die Heimat zurückführen. Sie werden den Tempel wieder aufbauen, doch nicht so schön, wie der frühere war; er wird stehen, bis die Zeit dieser Welt abgelaufen ist. Dann werden alle aus der Gefangenschaft zurückkehren und Jerusalem in seiner gan- zen Pracht wieder aufbauen. In seiner Mitte wird das Haus Gottes errichtet, ein herrlicher Bau, der für alle Zeiten Bestand hat bis in Ewigkeit. Das haben die Propheten über Jerusalem geweissagt. Und alle Völker werden sich dem Herrn, unserem Gott, zuwenden und ihm wahre Ehrfurcht entgegenbringen.“ (Tob 14,5.). In diesem Spruch wird ein Thema angeschnitten, das seit 722 v.Chr., als das Nordreich von den Assyrern erobert und die Bevölkerung in verschiedene Län- der zwangsübersiedelt wurde, ein immer wiederkehrendes Motiv von Weissa- gungen der Propheten geworden ist. Nämlich die Wiederkehr der Nachkommen dieser Verschleppten nach Israel. Die Wiederkehr der zerstreuten Bewohner des Nordreiches, die schon zu die- ser Zeit unbekannten Aufenthaltes waren und die wahrscheinlich in ihren neuen Umgebung vollkommen integriert waren, war ein irrealer Wunsch, den nur Gott in der Lage gewesen wäre zu erfüllen, da nur er diese Vertriebenen auffinden konnte. Sowohl diese Bitte an Gott, als auch die Erlösung von den sich immer wieder ergebenden Schicksalsschlägen verlangten nach dem Eingreifen einer höheren Macht. Dieser nur durch Wunder erf...

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