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Der Antijudaismus auf dem Weg vom Judentum zum Christentum

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Peter Landesmann

Anhand der Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria werden die in der Zeitenwende in Palästina vorhandenen Geisteshaltungen dargestellt und die in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten aufgetretenen deuteronomistischen, weisheitlichen, apokalyptischen und hellenistischen Tendenzen berücksichtigt. Das Wirken von Jesus wird im Einklang mit seinem Judentum beschrieben und seine Kreuzigung durch die damals herrschende und später revidierte Ansicht über einen Messias erklärt, der gewaltsam zu seiner Herrschaft gelangen sollte. Die Loslösung der Jesusanhänger vom Judentum und der darauf folgende innerchristliche Konflikt begründet die antijudaistische Haltung maßgebender Kirchenväter. Diese sahen in der Beibehaltung jüdischer Bräuche der Judenchristen eine Gefahr für die Einheit des Christentums, das schon im zweiten Jahrhundert von den Christen dominiert wurde, die aus dem Heidentum stammten. Diese Einstellung gegen die judaisierenden Christen führte dann zu den antijudaistischen Aussagen christlicher Theologen.

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8. Die Weisheitslehre und der Begriff „Logos“

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Die Anfänge der jüdischen Weisheitslehre liegen in der frühen Königszeit und wurden durch orientalische und ägyptische Weisheitslehren beeinflusst. Diese Lehre erhielt dann im Hellenismus eine gewichtige Bereicherung. Es ist anzu- nehmen, dass schon im 5. Jh. v.Chr. oder etwas später, die Lehren der griechi- schen Philosophen den führenden israelitischen religiösen Persönlichkeiten zur Kenntnis gelangt sind. Das griechische Wort „Philosophie“ bedeutet „Liebe zur Weisheit“ und könnte unter anderem ein Grund für die Hochschätzung der Weisheit gewesen sein. Das Verb „philosophieren“ taucht das erste Mal beim griechischen Histori- ker Herodot (484-425 v. Chr.) auf. (Historien I,30,2). Der Platoniker Herakleides Pontikos (um 390 v.Chr. bis nach 322 v. Chr.) überlieferte eine Erzählung, wo- nach Pythagoras gesagt haben soll, nur ein Gott besitze wahre sophía, der Mensch könne nur nach ihr streben. Hier ist mit sophia bereits ein metaphysi- sches Wissen gemeint. Die Glaubwürdigkeit dieses – nur indirekt und fragmenta- risch überlieferten Berichts des Herakleides, ist in der Forschung umstritten. Erst bei Platon, 428/427 v.Chr. – 348/347 v. Chr., tauchen die Begriffe „Philosoph“ und „philosophieren“ eindeutig in diesem von Herakleides gemeinten Sinne auf, insbesondere in Platons Dialog Phaidros (278d), wo festgestellt wird, dass das Streben nach Weisheit (das Philosophieren) für jeden Mensch möglich ist, wobei aber der Besitz der Weisheit ausschließlich nur Gott zukomme. Diese griechischen Lehren wurden dem jüdischen Glauben angepasst, und in dieser Form hat die „Weisheit“ eine weitgehende Bedeutung im jüdischen...

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