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Zur Geschichte der Justizverfassung in Schleswig-Holstein im 19. und 20. Jahrhundert

Quellen und Studien

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Werner Schubert

Das Bild der Rechtszustände in den Herzogtümern Schleswig und Holstein war ein «außerordentlich reichhaltiges» und «fesselndes» (Otto Kähler). Die umfassenden, bisher unveröffentlicht gebliebenen Berichte des Berliner Ministerialjuristen Hermann Krüger von 1867 erschließen die vielfältige, oft bis auf das Mittelalter zurückgehende Justizverfassung der Herzogtümer am Vorabend ihres Übergangs an Preußen. Die Listen der neu ernannten Juristen zeigen, dass Preußen ganz überwiegend die einheimischen Justizbeamten in seinen Dienst übernommen hat. Der Band bringt ferner einen detaillierten Überblick über die Obergerichtsbarkeit in Schleswig-Holstein von 1834 bis 1972 (Oberappellationsgericht Kiel, Appellationsgericht Kiel, OLG Kiel und Schleswig-Holsteinisches OLG in Schleswig) und erinnert an den Kieler OLG-Rat Rudolf Bovensiepen, der als Rechtsreformer und Demokrat die rechtspolitischen Diskussionen zwischen 1912 und 1932 mitbestimmte. Die bisher unveröffentlichten Lageberichte des OLG-Präsidenten und des Generalstaatsanwalts aus der Kriegszeit geben ein anschauliches Bild über den OLG-Bezirk zwischen 1940 und 1944. Der Band wird abgeschlossen mit einem Beitrag über die Entwicklung des Notariats in Schleswig-Holstein, einem Bericht der britischen Besatzungsmacht über eine Gerichtsinspektion (1948) und mit einem Überblick über die Aburteilung von NS-Verbrechen durch Gerichte Schleswig-Holsteins bis 1949.

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E. Der Kieler Oberlandesgerichtsrat Rudolf Bovensiepen (1877-1947) – Rechtsreformer und Demokrat

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– 1 Rudolf Bovensiepen, Richter am LG/LG-Rat, von 1920 bis 1933 OLG-Rat in Kiel, schrieb am 6.7.1946 an seine Schwiegertochter zu seiner Tätigkeit als Vor- sitzender der Wiesbadener Berufungsspruchkammer2: „Milde gegenüber allen blossen Mitläufern, kleinen ehemaligen PG, die nur unter dem Druck der vorge- setzten Dienstbehörde oder der Parteibonzen der Partei schließlich nach dem 1. April 1933 beigetreten sind, der Not gehorchend und nicht dem eigenen Trie- be, rücksichtslose STRENGE dagegen bei allen fanatischen activistischen Par- teibonzen, die ihrerseits widerstrebende Elemente bedrängten, solche Subjecte werden wie Wanzen u. Läuse SCHONUNGSLOS ausgemerzt werden! Hier muss es und wird es für mich heissen: ,Der Richter, der nicht strafen kann, ge- sellt sich endlich selber dem Verbrecher.‘ Wo steht das? Bei Shakespeare ,Maass für Maass‘! ... Es ist fürwahr eine fast phantastische SCHICKSALSFÜGUNG, dass ich, der ich vor nunmehr fast genau DREIZEHN JAHREN in der brutalsten Weise von Adolf H. – diesem grösstem Blutsäufer und wahnsinnigem Verbre- cher aller Zeiten und Völker – aus meinem heissgeliebten, hohen u. edlen Rich- teramt herausgeworfen worden bin, nun als oberste Instanz über seine teils ver- brecherische, teils verführte Gefolgschaft zu Gericht sitzen werde!“ I. Überblick über Leben und Werk von Rudolf Bovensiepen Wer war Rudolf Bovensiepen3, geb. am 31.5.1877 in Hilden bei Düsseldorf als Sohn des Kaufmanns Egon Bovensiepen? Er absolvierte das Kasseler Wilhelm- Gymnasium (1886-1895) und studierte vom Herbst 1895 bis Ende 1898 die Rechtswissenschaften in Halle und Marburg, wo er auch...

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