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Kinderarbeit? Ein pädagogisches Fragezeichen!

Ein subjekttheoretischer Ansatz

Dieter Kirchhöfer

Die Veränderungen der Kinderarbeit werden in dieser Untersuchung aus einer historischen Analyse der Produktionsweise abgeleitet. In der Abgrenzung zu einseitigen ökonomistischen Erklärungsversuchen wird auf die Wirksamkeit emanzipatorischer und philanthropischer Bewegungen und auf die bildungspolitischen Diskussionen in der Arbeiterbewegung zur Kinderarbeit verwiesen. Mit Informatisierung, Entgrenzung und Subjektivierung werden gegenwärtige Veränderungen identifiziert und die Annäherung der Arbeitswelt der Kinder an die Arbeit der Erwachsenen diagnostiziert. Unter kapitalistischen Bedingungen wird die Verkehrung der Subjektivierung in eine Infantilisierung festgestellt und die geringe Tragfähigkeit pädagogischer Lösungen beklagt.

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Zum Konzept 9

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Zum Konzept Das Thema Kinderarbeit bewegt in der gegenwärtigen wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion kaum jemanden und taucht vielfach nur als Horrormel- dung über Kinderausbeutung, -armut und -misshandlung auf. Selbst offizielle Dokumente wie der UNICEF-Bericht zur Situation der Kinder in Industrielän- dern zu Indikatoren für das Wohlergehen von Kindern (2007) oder die jetzigen nachholenden Bundestagsdebatten zur Kinderrechtskonvention von 1989 erwähnen Kinderarbeit weder als fördernder noch als entwicklungshemmender Indikator. Dort, wo Kinderarbeit diskutiert wird, drängen sich in die Diskussionen zur Kinderarbeit gesellschaftliche Problemlagen, die weit über die Diskussionen zu Kindheit hinausgehen und die generelle Zukunft der Arbeitsgesellschaft errei- chen, mögliche Anliegen der Kinderarbeit bleiben aber außerhalb der Aufmerk- samkeit. Die Entwicklung der gegenwärtigen Arbeitsgesellschaft rüttelt jedoch an der für die industrielle Arbeitsgesellschaft typischen Arbeitsteilung zwischen den Generationen und Geschlechtern. „Am Ende des 20.Jahrhunderts ist „das Thema Kinderarbeit wie kaum ein anderes geeignet, für die veränderte Relation von Kindheit und Erwachsenensein zu sensibilisieren."1 Die Kinderarbeit in einer sich verändernden Gesellschaft lässt eine Reihe von Fragen zum Verhältnis von Kindsein und Erwachsensein fragwürdig — im wahr- sten Sinne des Wortes fragenswürdig — werden, wobei es völlig offen zu sein scheint, wohin dieser Wandel der Arbeitsgesellschaft führt und ob sich tatsäch- lich ein verändertes Verhältnis zwischen den Generationen herausbildet und die Kinderarbeit sich verändert. Führt möglicherweise eine veränderte Arbeitsge- sellschaft, in der aber nach wie vor die Arbeit den...

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