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Kinderarbeit? Ein pädagogisches Fragezeichen!

Ein subjekttheoretischer Ansatz

Dieter Kirchhöfer

Die Veränderungen der Kinderarbeit werden in dieser Untersuchung aus einer historischen Analyse der Produktionsweise abgeleitet. In der Abgrenzung zu einseitigen ökonomistischen Erklärungsversuchen wird auf die Wirksamkeit emanzipatorischer und philanthropischer Bewegungen und auf die bildungspolitischen Diskussionen in der Arbeiterbewegung zur Kinderarbeit verwiesen. Mit Informatisierung, Entgrenzung und Subjektivierung werden gegenwärtige Veränderungen identifiziert und die Annäherung der Arbeitswelt der Kinder an die Arbeit der Erwachsenen diagnostiziert. Unter kapitalistischen Bedingungen wird die Verkehrung der Subjektivierung in eine Infantilisierung festgestellt und die geringe Tragfähigkeit pädagogischer Lösungen beklagt.

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Teil 1

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1. Die veränderte Arbeitswelt der Großindustrie, der Aus- zug der Kinder aus der Arbeitswelt der Erwachsenen und die Konstituierung der Kindheit In der Suche nach historischen Zusammenhängen, unter denen sich Kindheit herausbildete, stößt man sehr bald auf die Entwicklung der Arbeit und die der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Die vorliegende Arbeit folgt relativ stringent der Erkenntnis, dass die Art und Weise der Produktion und der in ihr wirkenden ökonomischen Verhältnisse alle anderen gesellschaftlichen Verhältnisse — und darin die Kindheitsverhältnisse — direkt oder indirekt bewirken oder zumindest beeinflussen. „Hieraus geht hervor, daß eine bestimmte Produktionsweise oder industrielle Stufe stets mit einer bestimmten Weise des Zusammenwirkens oder der gesellschaftlichen Stufe vereinigt ist, ... und also die „Geschichte der Menschheit" stets im Zusammenhang mit der Geschichte der Industrie und des Austausch studiert und bearbeitet werden muß."1 „Wie die Individuen ihr Leben äußern, so sind sie. Was sie sind, fällt also zusammen mit ihrer Produktion, so- wohl damit, was sie produzieren, als auch damit wie sie produzieren. Was die Individuen also sind, das hängt ab von den materiellen Bedingungen ihrer Pro- duktion."2 Vom Niveau der Produktivität hängt z.B. die Länge des Arbeitstages ab, von dessen Dauer wiederum die zur persönlichen Verfügung stehende Freizeit, in der wiederum unterschiedliche Varianten der familialen Lebensführungen reali- siert werden können. Die Erwerbsarbeit legt den Anteil des Arbeitnehmers fest, den er für seine Tätigkeit erzielt. Die Höhe dieses Anteils bestimmt wiederum die M...

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