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Kinderarbeit? Ein pädagogisches Fragezeichen!

Ein subjekttheoretischer Ansatz

Dieter Kirchhöfer

Die Veränderungen der Kinderarbeit werden in dieser Untersuchung aus einer historischen Analyse der Produktionsweise abgeleitet. In der Abgrenzung zu einseitigen ökonomistischen Erklärungsversuchen wird auf die Wirksamkeit emanzipatorischer und philanthropischer Bewegungen und auf die bildungspolitischen Diskussionen in der Arbeiterbewegung zur Kinderarbeit verwiesen. Mit Informatisierung, Entgrenzung und Subjektivierung werden gegenwärtige Veränderungen identifiziert und die Annäherung der Arbeitswelt der Kinder an die Arbeit der Erwachsenen diagnostiziert. Unter kapitalistischen Bedingungen wird die Verkehrung der Subjektivierung in eine Infantilisierung festgestellt und die geringe Tragfähigkeit pädagogischer Lösungen beklagt.

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Teil 2

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2. Die Befreiung der Kinder aus der Erwerbsarbeit als Er- gebnis emanzipatorischer und philanthropischer Bewe- gungen 2.1 Kinderrecht und Kinderschutz — Die Reduzierung des Kinder- rechtes auf den Kinderschutz Der Auszug der kindlichen Arbeit aus der Arbeitswelt der Erwachsenen war - und damit soll die selbst auferlegte ökonomische Sichtweise wieder aufgehoben werden — selbstverständlich Resultat einer Vielzahl von ökonomischen, sozialen und politischen Wirkungszusammenhängen: "Nach materialistischer Geschichts- auffassung ist das in letzter Instanz bestimmende Moment in der Geschichte der Produktion und Reproduktion des wirklichen Lebens. Mehr hat weder Marx noch ich je behauptet. Wenn nun jemand das dahin verdreht, das ökonomische Moment sei das einzig bestimmende, so verwandelt er jenen Satz in eine nichts- sagende, abstrakte, absurde Phrase. Die ökonomische Lage ist die Basis, aber die verschiedenen Momente des Überbaus — politische Formen des Klassen- kampfes und seine Resultate — Verfassungen, nach gewonnener Schlacht durch die siegende Klasse festgestellt usw. — Rechtsformen, und nun gar die Reflexe aller dieser wirklichen Kämpfe im Gehirn der Beteiligten, politische, juristische, philosophische Theorien, religiöse Anschauungen und deren Weiterentwicklung zu Dogmensystemen, üben auch ihre Einwirkung auf den Verlauf der geschicht- lichen Kämpfe aus und bestimmen in vielen Fällen vorwiegend deren Form. Es ist eine Wechselwirkung aller dieser Momente, worin schließlich durch alle die unendliche Menge an Zufälligkeiten ... als Notwendiges die ökonomische Be- wegung sich durchsetzt."1 Hohe Kindersterblichkeit, geringe Lebenserwartungen und die sich von Gene- ration zu Generation verringernde gesundheitliche Stabilität der arbeitenden Be- völkerung führten in der zweiten H...

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