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Kinderarbeit? Ein pädagogisches Fragezeichen!

Ein subjekttheoretischer Ansatz

Dieter Kirchhöfer

Die Veränderungen der Kinderarbeit werden in dieser Untersuchung aus einer historischen Analyse der Produktionsweise abgeleitet. In der Abgrenzung zu einseitigen ökonomistischen Erklärungsversuchen wird auf die Wirksamkeit emanzipatorischer und philanthropischer Bewegungen und auf die bildungspolitischen Diskussionen in der Arbeiterbewegung zur Kinderarbeit verwiesen. Mit Informatisierung, Entgrenzung und Subjektivierung werden gegenwärtige Veränderungen identifiziert und die Annäherung der Arbeitswelt der Kinder an die Arbeit der Erwachsenen diagnostiziert. Unter kapitalistischen Bedingungen wird die Verkehrung der Subjektivierung in eine Infantilisierung festgestellt und die geringe Tragfähigkeit pädagogischer Lösungen beklagt.

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Teil 4

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Teil IV 4. Subjektivierung versus Infantilisierung 4.1 Die Arbeitswelt in der Schule Seitdem es Schule gibt, bewegen Eltern und Lehrer zwei Fragen: Wie bereitet Schule auf das spätere Leben und damit auf die Berufstätigkeit im weiteren Sin- ne intellektuell, moralisch, charakterlich und im engeren Sinne berufsorientie- rend vor, und wie kann sie Momente der Arbeitswelt als Lernwelt in sich auf- nehmen und mit dem schulischen Lernen und dem Unterricht verbinden. In der Zwischenzeit hat die Vorstellung einer recht-, d.h. frühzeitigen Vorbereitung auf die Arbeits-, Berufs- und Alltagswelt auch den Kindergarten erreicht. Nach D. Elschenbroicht setzt das Werkstattprinzip auch im Kindergarten durch Forscher- ecken, Wasserwerkstätten, Erfinderwerkstätten, Buchstaben- und Zählzimmer Elemente einer neuen Lernkultur, mit der offensichtlich die bisherige Ablehnung oder Unterschätzung der Bildungsarbeit im Kindergarten kompensiert werden soll. Tabelle 9: Arbeitsfelder der Kinder in der gegenwärtigen Schulwelt Arbeitsfelder tragende Intentionen Ferienarbeit verdienstorientierte Erwerbsarbeit institutionelle "Arbeits"erziehung gemischte pädagogische und berufsorientie- rende Intentionen praktisch-produktive Unterrichtsfächer (Arbeitslehre, WAT) Einfühlung in die Arbeitswelt der Erwachse- nen, aber geringe Einbeziehung in wertpro- duzierende Arbeitsprozesse praktisches Lernen Heranführung an einen Schulabschluss produktives Lernen Vorbereitung eines Berufsabschlusses Betriebspraktika Erfahrungen mit der Arbeitswelt Schülerfirmen, Bauernhöfe partiell markt- orientiert wertproduzierende Arbeit längerfristige En- trepreneurintention außerschulische Wettbewerbe (Jugend forscht, Deutscher Gründerpreis) pädagogische Förderintentionen Sponsorenverträge zwischen Schulen und Unternehmen finanzielle Unterstützung der Schulen, Öff- nung der Schulen für die Einflussnahme von Unternehmen unternehmensorientierte Einbeziehung der Schüler in Produktentwicklung,...

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