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Public Affairs

Die neue Welt des Lobbyismus

Edited By Gerhard Göhler, Katrin Grothe and Cornelia Schmalz-Jacobsen

Laut Schätzungen sind derzeit rund 5.000 Lobbyisten in Berlin aktiv. Abseits der Öffentlichkeit betreiben diese «Einflüsterer» ihr Geschäft, so heißt es, kaum jemand kenne ihr Gesicht. Gut zehn Jahre nach dem Umzug von Parlament und Regierung aus Bonn haben sich in der Hauptstadt zahlreiche Büros von Verbänden, Unternehmen und Agenturen angesiedelt. Hinzu kommen international agierende Kanzleien und Unternehmensberatungen, Botschaften, Stiftungen und NGOs. Damit gilt Berlin als das Zentrum einer nicht neuen, aber in dieser Dimension unbekannten Branche. Dieses Buch beleuchtet u. a. die Frage, was Lobbyismus genau macht. Und ob er ein notwendiger Bestandteil der Demokratie ist – oder die Dominanz partikularer Interessen über das Gemeinwohl.

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Prof. Dr. Gesine Schwan: Demokratie oder Lobby? Zur Artikulation gesellschaftlicher Interessen in der Politik

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93 Prof. Dr. Gesine Schwan Demokratie oder Lobby? Zur Artikulation gesellschaftlicher Interessen in der Politik „Demokratie oder Lobby“ – dieser Teil meines Vortragstitels bedeutet, dass dort ein Gegensatz gesehen wird. „Zur Artikulation gesellschaftlicher Inte- ressen in der Politik“ – das bedeutet, dass ich, da ich eher Theoretikerin der Poli- tik bin und Sie im weiteren Verlauf der Vortragsreihe noch sehr viele empirische Beispiele von Lobbyismus hören werden, mich in meinem heutigen Vortrag mit den Grundsatzfragen theoretischer Art beschäftigen möchte. Ich werde beginnen mit ein paar historischen Annäherungen an das Thema, dann will ich zwei sys- tematische Probleme im Verhältnis zwischen demokratischer Politik und Lobby- ismus bestimmen und dann möchte ich in einem dritten Teil vorschlagen, wie man aus diesen Dilemmata gegebenenfalls herauskommen kann. Ich beginne also mit dem ersten Teil, einer historischen Annäherung, die gleichzeitig auch eine kleine biographische Annäherung ist. Denn das, worüber ich erzählen möchte, fand auch hier in diesem Hörsaal statt. Vor mehr als vier- zig Jahren habe ich hier in diesem Raum Prof. Ernst Fraenkel zugehört. Ernst Fraenkel war, wie andere Politikwissenschaftler auch, aus der Emigration in den USA zurückgekommen, um in Deutschland für den Aufbau der Demokratie durch die Demokratiewissenschaft zu sorgen. Was er uns eingeschärft hat war, dass es völlig legitim ist, die eigenen Partikularinteressen zu vertreten. Die Legi- timität der Interessenvertretung in einer pluralen Gesellschaft war für ihn vor dem Hintergrund der Weimarer Republik ein ganz...

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