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Adam Oehlenschläger

In Dänemark berühmt, in Deutschland vergessen

Christian Gellinek

Zum ersten Mal wird hier eine Untersuchung der Gesammelten Werke des dänischen Dichters und Schriftstellers Adam Oehlenschläger (1779-1850) auf Deutsch vorgelegt. Als angehender Sprachkünstler studierte er nicht Literaturwissenschaft an der Universität Kopenhagen, sondern auf einer praktischen Bildungsreise als Stipendiat acht Semester lang in mehreren Zentren Europas: Halle, Weimar, Coppet, Rom, Paris und Berlin, wo er die besten seiner Dramen auf Dänisch und auf Deutsch schrieb, vorlas und zur Veröffentlichung vorbereitete. Seine Zuhörer waren Steffens, Schleiermacher, Goethe, Madame de Staël, die Gebrüder Schlegel und andere deutsche Dichter. Es wird ein Gattungsdiskurs seiner Schriften in Gang gesetzt und Oehlenschlägers Ästhetik der Kraft, die sich in Anlehnung an Hans Christian Ørsted und Bertel Thorvaldsen ausgebildet hat, vorgeführt.

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I Vorbereitung

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Noch werden Oehlenschlägers Stücke in Kopenhagens Theatern inszeniert und mit phantasievoller Regie in den öffentlichen Schulen aufgeführt; auch wird seine Nationalhymne als Loblied auf das liebliche Heimatland mit Inbrunst gesungen. Noch erstrahlt Adam Oehlenschlägers mit drittstärkster Helligkeit nach N. F. S. Grundtvig (1783-1872) und H. C. Andersen (1805-1875) am däni- schen Dichterhimmel. Aber auch in Dänemark ist es über hundert Jahre her, genauer gesagt, seit 1899, daß ein gelehrter Professor eine dreibändige Würdigung seiner gesamten Werke schrieb. Da mehrere seiner Texte als Literatur des zum na- tionalen Kanon Dänemarks gehören, sind dessen dänische Titel auf dem Bücher- markt greifbar und können oder müssen als Pensum gelesen werden. Aber wie viele Dänen kennen diese Büchertexte genau und – können daraus noch zitieren? Viel schlechter steht es in Deutschland: dort sind seine Schriften als Gesamtwerk ganz vergessen. Denn Adam Oehlenschläger ist 2012 hierzulande weitgehend un- bekannt. Steins alter Kulturfahrplan von 1960 erinnert vage an als unter des Dichters Geburtsjahr 1779. Der Eintrag ist eine ungenaue Pflichtübung. Wie steht es wirklich um Oehlen- schlägers Ansehensverlust in Deutschland heute? Darauf soll der Leser einge- stimmt werden. Jetzt befindet er sich noch in einem Niemandsland. Nie hat bisher ein Gelehrter diese Werke auf Deutsch einer Gesamtwürdigung unterzogen. Dabei hat dieser erst 1850 gestorbene, berühmte Däne viel Fleiß dar- auf verwendet, deutsche Parallelfassungen zu schreiben und einzeln sowie insge- samt zu veröffentlichen....

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