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Adam Oehlenschläger

In Dänemark berühmt, in Deutschland vergessen

Christian Gellinek

Zum ersten Mal wird hier eine Untersuchung der Gesammelten Werke des dänischen Dichters und Schriftstellers Adam Oehlenschläger (1779-1850) auf Deutsch vorgelegt. Als angehender Sprachkünstler studierte er nicht Literaturwissenschaft an der Universität Kopenhagen, sondern auf einer praktischen Bildungsreise als Stipendiat acht Semester lang in mehreren Zentren Europas: Halle, Weimar, Coppet, Rom, Paris und Berlin, wo er die besten seiner Dramen auf Dänisch und auf Deutsch schrieb, vorlas und zur Veröffentlichung vorbereitete. Seine Zuhörer waren Steffens, Schleiermacher, Goethe, Madame de Staël, die Gebrüder Schlegel und andere deutsche Dichter. Es wird ein Gattungsdiskurs seiner Schriften in Gang gesetzt und Oehlenschlägers Ästhetik der Kraft, die sich in Anlehnung an Hans Christian Ørsted und Bertel Thorvaldsen ausgebildet hat, vorgeführt.

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Oehlenschläger verfügte als Ästhetiker und Dramendichter hauptsächlich über zwei Talente, nämlich über ein besonderes Tonverständnis im Innenverhältnis zur dänischen Sprache, als auch über einen bildsäulenhaften glans, den er seinen dänisch sprechenden Figuren im Außenverhältnis verleihen konnte, und den er auch als Abglanz derselben in seinen deutschen Wortschatz einbaute, der weniger umfang- und nuancenreich als im Dänischen blieb. Das bombenzerstörte Kopen- hagen hat ihn in seiner Muttersprache zu Höchstleistungen angespornt. Als Thorvaldsen 1819 temporär nach Kopenhagen zurückkehrte, war der ganze Staat bankrott gegangen und Stadtteile Kopenhagens lagen nach der Beschie- ßung durch die britische Flotte noch immer in Schutt und Asche. Auch der baro- cke Altar Unserer Lieben Frau[en] im Dom war bereits 1795 in einem vorherge- gangen Feuer verbrannt. An seinem Marmorstandbild des Christus arbeitete der Künstler ab Weihnachten 1820 nach seiner Rückkehr nach Rom. Die Vorform in Gips mit menschlichen Dimensionen war 1822 fertiggestellt. Diese Statue galt bei den Römern als kontrovers, aber auch in protestantisch-reformierten Kreisen Ko- penhagens, in denen Thorvaldsen verkehrt hatte. Trotzdem befand er sich damals auf der Höhe seiner künstlerischen Schaffenskraft und beabsichtigte, seinen ka- tholischen Bildhauer-Rivalen zu zeigen, daß er ihrer Herausforderung artistisch gewachsen war. Sie alle schufen gerne religiöse Themen für die römische Kirche. Er wollte eine bestimmte (eher freikirchliche) künstlerische Aussage für zu Hau- se treffen. Gemeinsame künstlerische Vorhaben, die Inanspruchnahme mehrerer dänischer...

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