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Eigentum und Verfügungsbefugnisse am menschlichen Körper und seinen Teilen

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Dörte Busch

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Spannungsverhältnis von Angebot und Nachfrage menschlicher Gewebe und Organe sowie den sie begleitenden vielschichtigen Interessen der «Gewebespender». Behandelt werden sowohl die entnehmenden Institutionen, verarbeitenden Ärzte, Labore und Industriezweige als auch die zukünftigen Empfänger. Die einzelnen Schritte der Entnahme- und Verarbeitungskette werden rechtlich eingeordnet. So wird analysiert, inwiefern die Weiterverwendung ursprünglich zu Diagnose- oder Therapiezwecken entnommener Körpermaterialien der vorhergehenden Aufklärung und Einwilligung des Patienten bedarf. Es werden zudem Vorschläge zur Abänderung bestehender Aufklärungs- und Einwilligungsformulare unterbreitet.

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Kap. II – Aufklärungserfordernis bei der Beschaffung und Verwendung von Körpermaterialien

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Seit der grundlegenden Entscheidung des Reichsgerichts vom 31.05.1894243 sieht die Rechtsprechung in dem indizierten und lege artis durchgeführten ärztlichen Eingriff einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und somit eine Kör- perverletzung. Um dem ärztlichen Eingriff seine Widerrechtlichkeit zu nehmen, bedarf es der Einwilligung des Patienten. Diese setzt ihres Zeichens eine voraus- gehende ausreichende Aufklärung des Patienten voraus, damit dieser wirksam in den Eingriff einwilligen kann. Typischerweise umfassen die ärztliche Aufklärung und Einwilligung im klini- schen Alltag zunächst nur medizinisch indizierte Entnahmen und Untersuchun- gen, die für den Betroffenen von unmittelbarem Nutzen für die eigene Gesund- heit sind.244 Welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit die jeweilige Aufklärung als aus- reichend angesehen werden kann, wird im Folgenden anhand verschiedener Ein- griffs-, Entnahme- und Verwendungsszenarien erörtert. A. Gewebeentnahme im Rahmen ärztlicher Behandlung – „Wie entnommen so zerronnen?!“ – Im Rahmen der ärztlichen Behandlung werden dem Patienten nicht selten Subs- tanzen, wie Blut, Urin, Speichel oder Gewebe für Diagnosemaßnahmen entnom- men. Diese Situation ist für den Patienten mittlerweile alltäglich und selten wird die Entnahme von Blut oder anderen Substanzen von ihm kritisch hinterfragt. Das Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist auch heutzutage noch von Ach- tung und Vertrauen geprägt, da vom Arzt erwartet und gefordert wird, dass er im besten Interesse seiner Patienten handle. Historisch betrachtet wurde das mensch- liche Leben per se und die medizin-ethische Urteilsbildung vom Paradigma der „Heiligkeit des Lebens“ bestimmt und der ärztliche Entscheidungsspielraum...

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