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Alexander von Schleinitz und die preußische Außenpolitik 1858-1861

Bastian Peiffer

Otto von Bismarck drohte mit Selbstmord, als sein Sohn Herbert eine Verwandte Alexander von Schleinitz’ heiraten wollte. Grenzenlos war der Haß Bismarcks auf seinen Vorgänger als preußischer Außenminister. Wer war dieser Mann, den der Eiserne Kanzler als Haremsminister und Mignon der Prinzessin Augusta schmähte? Gestützt auf neue Quellenfunde zeichnet der Autor das Bild des preußischen Außenministers während der Neuen Ära jenseits der Stereotype des mutlosen und tatenscheuen Politikers. Er deutet Alexander von Schleinitz als einen Reformkonservativen, der Völkerrecht und Volkswillen versöhnen wollte und in bester preußischer Tradition das Recht über die Macht stellte.

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III. Ausgangslage

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1) Europa nach dem Krimkrieg Mit den Unterschriften der Signatarmächte am 30. März 1856 in Paris hatte nicht nur der Krimkrieg, sondern auch die europäische Ordnung von 1815 ihr Ende gefunden. Bereits die Zeitgenossen erkannten als Resultat des Krieges „die Geburtsstunde einer grundlegend veränderten außenpolitischen Konstella- tion“ und an dieser Auffassung habe sich bis heute nichts geändert, so lautet das nach Lothar Gall beinahe einmütige Urteil der Wissenschaft.196 Auch Alan Pal- mer begriff den Krimkrieg als die große Wasserscheide der diplomatischen Ge- schichte des 19. Jahrhunderts: Vor 1854 habe das Ideal "von Frieden durch ge- meinsame Verantwortung gegolten"; nach 1856 sei Europa zu den kriegerischen Gepflogenheiten vor dem Wiener Kongreß zurückgekehrt.197 Andreas Hillgruber sah im Ergebnis des Krimkrieges deutliche Tendenzen zur Überwindung und Zerstörung des Mächtesystems: Die nun endende Epoche in der Geschichte des europäischen Konzerts sei von der Einsicht geprägt gewesen, "daß eine zumin- dest partielle Solidarität der Großmächte im Rahmen des europäischen Kon- zerts zwecks Sicherung des notwendigen allgemeinen Friedens erforderlich sei." Nun seien diese traditionellen Bindungen zwischen den Mächten gelockert, teilweise zerrissen worden.198 Zwar warnt Winfried Baumgart davor, die in der Literatur mehrheitlich vertretene These eines Zerfalls des europäischen Konzerts absolut zu setzen. Vor allem die von A. J. P. Taylor postulierte Anarchie des europäischen Mächtesystems199 nach 1856 führe zu weit, da diese These von ei- nem realiter nie existenten Idealbild des europäischen Konzerts...

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