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Alexander von Schleinitz und die preußische Außenpolitik 1858-1861

Bastian Peiffer

Otto von Bismarck drohte mit Selbstmord, als sein Sohn Herbert eine Verwandte Alexander von Schleinitz’ heiraten wollte. Grenzenlos war der Haß Bismarcks auf seinen Vorgänger als preußischer Außenminister. Wer war dieser Mann, den der Eiserne Kanzler als Haremsminister und Mignon der Prinzessin Augusta schmähte? Gestützt auf neue Quellenfunde zeichnet der Autor das Bild des preußischen Außenministers während der Neuen Ära jenseits der Stereotype des mutlosen und tatenscheuen Politikers. Er deutet Alexander von Schleinitz als einen Reformkonservativen, der Völkerrecht und Volkswillen versöhnen wollte und in bester preußischer Tradition das Recht über die Macht stellte.

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VI. Zwischen Frankreich und Österreich

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1) Der Friede von Zürich – Schein und Sein des europäischen Staa- tensystems Preußens Lage erschien nach dem Friedensschluß von Villafranca kaum günsti- ger als noch während des Krieges. Österreich und vor allem Kaiser Franz-Joseph gaben Preußen die Hauptschuld an ihrer Niederlage. Napoleon hatte dem jungen österreichischen Kaiser in Villafranca mittels gefälschter Depeschen weisge- macht, Preußen befürworte ungünstigere Friedensbedingungen als jene, die Na- poleon dem besiegten Feind anbot. Franz-Joseph nahm keine Rücksprache mit Berlin und erlag der List.636 Auch wenn es Schleinitz gelang, die Haltlosigkeit der österreichischen Vorwürfe zu beweisen637, belasteten sie das preußisch- österreichische Verhältnis im Sommer des Jahres 1859 doch sehr.638 Auch des- halb fühlten sich viele Preußen als die eigentlichen Verlierer des Krieges; wäh- rend sich Napoleon und Franz-Joseph einander näherten, hielt nicht nur der Prinzregent Preußen für das nächste Ziel der französischen Expansion.639 Schlei- nitz sah die Lage Preußens in einem deutlich günstigeren Licht als die Mehrzahl seiner Zeitgenossen: "Daß nach dem Friedensschluß unser Verhältnis zu Frank- reich ein etwas unbehagliches werden würde," schrieb er Anfang August an Pourtalès, "war mit Bestimmtheit vorauszusehen und darüber habe ich mich nie getäuscht. Daß eine etwaige Mißstimmung auf der anderen Seite sich gegen uns bis zur offenen Feindseligkeit steigern sollte, glaubte ich jedoch nicht."640. We- nige Tage später fügte er an den gleichen Adressaten hinzu: "Nach allem...

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