Show Less

Zeit des Verfalls – Verfall der Zeit

Zeit und Zeitwahrnehmung im skandinavischen Großstadtroman Ende des 19. Jahrhunderts

Series:

Katja Bethke-Prange

Die Arbeit untersucht Zeit als strukturierendes Element in allen Lebensbereichen des modernen Lebens. Ihre spezifischen Funktionsweisen werden mit Hilfe unterschiedlicher Kategorien an ausgewählten Beispielen der skandinavischen Moderne dargestellt. Dabei wird vor allem auf die formale und inhaltliche Umsetzung der Zeitaspekte im Großstadtroman eingegangen. Diese Umsetzung manifestiert sich in August Strindbergs Röda Rummet, Herman Bangs Stuk und Knut Hamsuns Sult jeweils anders. Hierdurch kann eine beginnende Veränderung des bürgerlichen Zeitverständnisses und der Zeitwahrnehmung in den wachsenden Großstädten Skandinaviens Ende des 19. Jahrhunderts aufgezeigt werden.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

2 Die Zeiten ändern sich – Das Zeitverständnis des 19. Jahrhunderts

Extract

Die Frage ist: Wie ist deine Zeit? Weich oder hart? Mechanisch oder lebendig? Erbarmungslos oder gnädig? Leer oder gefüllt? (Alfonso Perceira) Wie Zeit wahrgenommen und bewertet wird, ist nicht nur eine neurologische Individualleistung, sondern hängt ebenso von den ökonomischen und sozialen Bedingungen ab, in denen die Menschen leben. Aber die Zeit ist eben nicht einfach eine ›Idee‹, die gleichsam aus dem Nichts im Kopfe des einzelnen Menschen auftaucht. Sie ist auch eine je nach dem Stand der sozialen Entwicklung verschiedene soziale Einrichtung.1 Zeitwahrnehmung und Zeitgestaltung sind somit eng mit den spezifischen historischen Gegebenheiten eines Menschen sowie einer Gesellschaft verknüpft. Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Sichtweise auf die Zeit. Hinter dieser Historizität des Zeitbegriffs lässt sich dennoch eine Art grundlegendes Zeit- schema erkennen, das sich im Umgang mit der Zeit in allen Kulturen, Gesell- schaften und Perioden wiederfinden lässt. Dieses Schema wird auch als „tripolares Zeitgefüge“2 bezeichnet, in dem sich der Mensch in zeitlichen Bezug zu sich selbst, seiner Umwelt und einer übergeordneten Transzendenz stellt.3 (Abb. 1) Für eine detailliertere Analyse des Zeitbegriffes und der Zeitwahrnehmung einer bestimmten Epoche und ihrer Gesellschaftsordnung wie in dieser Arbeit 1 Elias, Norbert: Über die Zeit. Herausgegeben und übersetzt von Schröter, Michael, Frankfurt / M. 1988, S. XXI. 2 Achtner, W., Kunz, St. u. Walter, Th.: Dimensionen der Zeit. Die Zeitstruktur Gottes, der Welt und des Menschen. Darmstadt 1998, S. 7. 3 Ibid. Mensch Exogene Zeit Endogene Zeit Transzendente Zeit 16...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.