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Gewalt am Frauenkörper in der «scrittura femminile nera»

Zum Werk von Laura Pugno, Alda Teodorani und Isabella Santacroce

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Stefanie Rubenis

Die Studie liefert einen innovativen Beitrag zur Ästhetik der postmodernen italienischen Noir-Literatur von Frauen. Die Autorinnen thematisieren physische und psychische Gewalt gegen Frauen und entwickeln jenseits traditioneller Gattungsmuster und Schreibverfahren eine neue «Sprache der Gewalt». Exemplarisch wird das Werk der Schriftstellerinnen Laura Pugno, Alda Teodorani und Isabella Santacroce untersucht. Die methodische Originalität der Arbeit besteht in der Verknüpfung philologischer Forschungen (Ästhetik des Bösen, Intermedialität, Performativität) mit Gewalttheorien aus Soziologie und Politologie sowie Körper-Leib-Theorien. Die Feinanalysen belegen die sprachlich-ästhetische Faszinationskraft wie auch die gesellschaftskritische und ethische Dimension der weiblichen Gegenwartsliteratur zum Bösen.

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1 Einleitung

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1.1. Gegenstand der Studie 1.1.1. Gewalt: ästhetische und soziologische Diskurse schreibender Frauen Die moderne italienische Gegenwartsliteratur reflektiert ein breites Spektrum des heutigen Lebens in Italien und verfügt daher über das Potential, einen Ein- blick in die gesellschaftliche Situation des Landes zu vermitteln. Weibliche und männliche Autoren lassen dabei seit der letteratura pulp und der Cannibali-Lite- ratur1 der 90er Jahre eine Hinwendung zu Themen der Gewalt erkennen, die mit Inszenierungen von Sexualität und Tod verknüpft werden. In den Texten, die sich spielerisch der volatilen Konventionen von Genres wie pulp, splatterpunk, cyberpunk und (neo)noir bedienen, wirken die schonungslosen Gewaltdarstel- lungen mal surreal, mal scheinen sie der alltäglichen cronaca nera der Medien entnommen. Die stilistisch heterogene Autorengruppe der Jahrtausendwende legt in der Verwendung dieser Tendenzen und Genres die dunklen Flecken der Gesellschaft bloß und beschreibt die Realität eines Italiens, das nicht dem von konservativen Kräften gezeichneten, romantisierten Bild entspricht. Damit geht das unverhohlene bis überbordende Zeigen von nackter Gewalt über eine mime- tische Funktion hinaus und gleitet hinüber in eine politische Dimension. Mit der Schilderung und Thematisierung der Ausübung, Wahrnehmung und Erfahrung von Gewalt lenken die Texte den Blick auf innergesellschaftliche Krisenherde. Auf der Metaebene sind diese Werke daher ein eindringlicher Kommentar zum zeitgenössischen italienischen Leben und decken aktuelle Ängste und Konflikte auf. Auch wenn die gnadenlosen Gewaltdarstellungen und obszönen Insze- nierungen schockieren, so gelten die Schriftstellerinnen und Schriftsteller gewaltlastiger Werke längst nicht mehr als „Skandalautoren“, denn die Beschreibung und...

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