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Gewalt am Frauenkörper in der «scrittura femminile nera»

Zum Werk von Laura Pugno, Alda Teodorani und Isabella Santacroce

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Stefanie Rubenis

Die Studie liefert einen innovativen Beitrag zur Ästhetik der postmodernen italienischen Noir-Literatur von Frauen. Die Autorinnen thematisieren physische und psychische Gewalt gegen Frauen und entwickeln jenseits traditioneller Gattungsmuster und Schreibverfahren eine neue «Sprache der Gewalt». Exemplarisch wird das Werk der Schriftstellerinnen Laura Pugno, Alda Teodorani und Isabella Santacroce untersucht. Die methodische Originalität der Arbeit besteht in der Verknüpfung philologischer Forschungen (Ästhetik des Bösen, Intermedialität, Performativität) mit Gewalttheorien aus Soziologie und Politologie sowie Körper-Leib-Theorien. Die Feinanalysen belegen die sprachlich-ästhetische Faszinationskraft wie auch die gesellschaftskritische und ethische Dimension der weiblichen Gegenwartsliteratur zum Bösen.

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3 Tool zur Untersuchung der 4 Dimensionen der Gewalt am Frauenkörper

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3.1. Herleitung der Fragestellung Für die Entwicklung des 4-Dimensionen-Textanalyseverfahrens zur Untersu- chung der Gewaltstrukturen wurden Ergebnisse genutzt, die Sabine Friedrich in der Untersuchung ausgewählter, männlicher Autoren der französischen École du Mal120 gewonnen hat. Das Vorgehen ist jedoch als Reformierung, Weiterent- wicklung und Modernisierung der von Friedrich aufgestellten Kategorien zur Untersuchung des Bösen in der Literatur zu verstehen. In der Anwendung auf die postmodernistischen Texte von Gegenwartsautorinnen aus Italien soll dabei keine moralisch-ontologische Bestimmung des Bösen erfolgen, sondern es sol- len stattdessen die Produkte des Bösen, d. h. die Gewalttaten in den Blick ge- nommen werden, die der lebensweltlichen Realität der Autorinnen sowie der Leserschaft entsprechen. Ich schlage dazu eine Weiterentwicklung und Moder- nisierung von Friedrichs Konzeption vor und beziehe auch aktuelle Strömungen und Genres der Gegenwartsliteratur (wie etwa pulp, noir, splatterpunk und cy- berpunk) mit ein, in denen Gewaltdarstellungen in hoher Frequenz zu finden sind. Grundsätzlich betont Friedrich zunächst die Aufwertung des destabili- sierenden Potentials des Bösen in der École du Mal, wodurch dieses stets als subversive Gegenkraft erscheint. Indem die Werke die Gewaltphantasmen gezielt als etwas Ungeheuerliches und Verbotenes verorten, verfolgen sie die Intention, die größtmögliche Provokation und Schockwirkung zu erreichen.121 Die „besessene Erkundung des Tabuisierten“ und die immer neuen Grenzüber- schreitungen sollten in einer „potentiell unendlichen Steigerungsstruktur“ permanent überboten werden, um in und mit den Texten immer grauenvollere Dimensionen des Bösen aufzuzeigen.122 In der fortschreitenden Perpetuierung und Selbstüberbietung der Grausamkeit wirken...

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