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Was kann Kunst?

Der erweiterte Kunstbegriff im pädagogischen und soziokulturellen Kontext- Künstlerische Projekte mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen

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Ulrika Eller-Rüter, Friedemann Geisler and Michael Brater

Kunst gilt heute als verzichtbar, als Fremdkörper in einer durchökonomisierten Welt. Umso verwunderlicher, dass sich Diktaturen so sehr bemühen, Kunst und Künstler zu disziplinieren, sie «gleichzuschalten». Wovor haben sie Angst? Künstlerisch-praktische Projekte mit Schulkindern und Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten zeigen, was Kunst (auch) kann: die Verbindung zu den eigenen schöpferischen Kräften herstellen; Selbstbewusstsein stärken; Mut machen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, an sich zu glauben und sich mutig dem Unbekannten zu stellen. So trägt sie dazu bei, soziale Benachteiligung zu überwinden und sich und seine gesellschaftlichen Verhältnisse als gestaltbar zu begreifen. Dieses Buch berichtet von solchen Erfahrungen und versucht, sie zu verstehen. Es möchte professionelle Künstler und für Bildung Verantwortliche nachdrücklich auf die soziale Kraft der Kunst hinweisen und für diese werben.

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1. Kapitel: Was kann Kunst? – Perspektive bildende Kunst (Ulrika Eller-Rüter)

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1.1 Warum Kunst? Warum Kunst? In öffentlichen Haushalten wird oft zuerst im kulturellen Bereich der Rotstift angesetzt: Theater schließen, Opern- und Schauspielensembles und auch Orchester verschiedener Städte müssen fusionieren oder werden aufgelöst. Museen außerhalb der Kulturmetropolen sind in ihren Ausstellungsprogrammen oft sehr ein- geschränkt. Damit die Besucherzahlen stabil bleiben, werden weniger Positionen zeitgenössischer Kunst als vielmehr „Publikumsmagneten“ gezeigt. In Schulen entfallen bei Sparmaßnahmen häufig zuerst die musischen Fächer, denn schließlich gehören sie nicht zu den Kernfächern. Sie zählen eigentlich zum Kanon humanistischer Bildung, aber wenn es eng wird, kann man auch auf sie verzichten. Im gesellschaftlichen Kontext scheinen die Künste also nicht hoch im Kurs zu stehen. Sie können erst eine „Rolle“ spielen, wenn die Kasse stimmt. Sie haben den Geruch des Exklusiven und sind als schmückendes Beiwerk des Lebens erst von Inte- resse, wenn alle Grundbedürfnisse befriedigt sind. Es ist eine Frage der Werteskala. In kunstfernen Kreisen, mit niedrigem oder mittlerem Einkommen und für Menschen am Rande der Gesellschaft ist moderne Kunst, vor allem die, welche im Museum als solche gezeigt wird, oftmals unverständlich und außerdem unerschwinglich. Da helfen auch die vielen museums pädagogischen und kunstvermittelnden Aktivitäten der letzten Jahre nichts. In Konzertsälen, Opernhäusern und Theatern trifft man vorwiegend den, der sich diese Besuche – und das Interesse daran – leisten kann. Der Besitz von Kunst wie auch die Rezeption von Kunst gehört in exklusiven,...

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