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Sozialsystem Literatur und Gegentext

Zu den Komödien von Andreas Gryphius und Christian Reuter

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Miodrag Vukcevic

Literarische Reflexionen auf Veränderungen von Mitte des 17. zum 18. Jahrhundert werden über kulturgeschichtlich verfestigte Motive diskutiert. ‘Sozialsystem Literatur’ versteht hier den sowohl theoretischen als auch praktischen Beitrag eines literarischen Diskurses zur Systematisierung geschichtlich aufgebauter sozialer Spannungen. Wegen der Nähe von Themen und Methoden zueinander werden kulturologische Aspekte mitberücksichtigt. Barockkomödien verstehen sich hierbei als ‘Gegentexte’ zu den großen Tragödien. Anhand der Beschreibung von Typisierungsprozessen in den Komödien von Andreas Gryphius und bei Christian Reuter wird die Ausbildung stereotyper Erscheinungen untersucht, ihr gesellschaftliches Belangen und Aufstieg zu ideellen Entwicklungsträgern.

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Leibniz formulierte zusammenfassend, mit seiner Idee zur prästabilen Harmonie von Körper und Geist, die Tendenz zur Überwindung des im 17. Jh. herr- schenden antagonistischen Weltbildes. Ungeachtet der schöpferischen Charakte- ristiken ist sein Weltbild noch immer von irrationalen Elementen des Barock- zeitalters gekennzeichnet. Bei Leibniz ist der Künstler ein Abbild göttlicher Schöpfungskraft. Mit der Übertragung von Leibniz’ Ideen in eine systematische Form sollten zz. der Jahrhundertwende fernerhin Wolfs Wünsche verwirklicht und ein praktischer Nutzwert der Philosophie erreicht werden. Natürlich trifft man auch in Komödien auf die verschiedenen literarischen Motive, die im 17. Jh. auf deutschsprachigem Gebiet herrschten. Doch wegen der Funktion, die einer Komödie zugeschrieben wird und die noch während der Antike definiert wurde, drängt sich der Rückschluss auf, dass die Geschichts- ereignisse aus dem Kontext der Gesellschaftsprobleme im Feudalismus gedeutet werden und nicht als Folge der Kirchen- oder Religionsgeschichte. Deshalb liegt es nahe, die Motive aus der deutschen Literaturgeschichte, welche sich diachron verfolgen lassen, im Zusammenhang mit der deutschen Kultur und Tradition zu betrachten. Und dennoch lassen sich die Barockkomödien auf deutschspra- chigem Gebiet nicht vollkommen trennen von den schauerlichen Staatsaktionen. Formen von kleineren Theateraufführungen, wie es die Zwischenspiele sind, mobilisieren Empfindungen und manifestieren einen Bedarf an Kontrasten in den Theatervorstellungen. Sie bieten dadurch dem schauerlichen Schauspiel und dessen zentralem Motiv der Märtyrerschaft etwas Entgegengesetztes. Die grund- sätzliche Gefühlslage bleibt jedoch weiterhin von der Vergänglichkeit gezeich- net, die mit der Übung...

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