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Spannungsfelder: Literatur und Mythos

Beiträge zum 2. Studierendenkongress der Komparatistik, 6. bis 8. Mai 2011, Universität Bonn- Herausgegeben in Zusammenarbeit mit Oliver Renner und Anne Christina Scheuss - Unter Mitwirkung von Jule Böttner, Adina Genglawski, Anna-Felicitas Gessner,

Edited By Andreas J. Haller, Bettina Huppertz and Sonja Lenz

Dieser Sammelband präsentiert eine Auswahl der Vorträge, die im Rahmen des 2. Studierendenkongresses der Komparatistik an der Universität Bonn gehalten wurden. Literatur- und Kulturwissenschaften sind ohne das Spannungsfeld Literatur und Mythos nicht denkbar. Mythische Denkmuster sind stets Teil des gesellschaftlichen Bewusstseins und der geführten Diskurse. Dass antike mythische Stoffe in der Literatur- und Kulturgeschichte omnipräsent sind, wird dadurch deutlich, dass immer wieder Motive, Figuren und narrative Muster dieser Stoffe literarisch oder künstlerisch verarbeitet und bis in unsere heutige Zeit hinein rezipiert und erneuert werden. Der Sammelband spiegelt diese Vielfalt der Mythenrezeption sowie die Relevanz des Themas für unterschiedlichste Forschungsdisziplinen wider.

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13. Transfer des Mythos Schweiz. Das japanische Heidi. Yukiko Luginbühl

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Transfer des Mythos Schweiz. Das japanische Heidi Yukiko Luginbühl „Heidi, Heidi, deine Welt sind die Berge“ – die Titelmelodie der Zeichentrickfilm- serie Heidi ist im deutschsprachigen Raum ein eingewurzelter Klassiker. Im Ori- ginal beginnt die Serie jedoch mit einem Jodel auf Japanisch und ist das Produkt des Tokyoter Zeichentrickfilmregisseurs Isao Takahata. Dieser war von der heilen, harmonischen Bergwelt und deren reine Natur, wie sie in Johanna Spyris Roman Heidi so betont wird, begeistert und versprach sich damit Erfolg im in den 1970er Jahren wirtschaftlich boomenden Japan. Tatsächlich wurde seine Serie Arupusu no shôjô Haiji (das Mädchen aus den Alpen) ein Renner; dies in Japan selbst, wo sich ein regelrechter, bis heute andauernder Heidi-Kult entwickelte, sowie auch international, denn die Serie wurde weltweit ausgestrahlt. Während Heidi heute von den Schweizern selbst nur noch verlegen belächelt wird, ist es durch das Werk Isao Takahatas für Menschen aus allen Winkeln der Welt zum Inbegriff der Schweiz geworden. So wird Heidi „unter internationalem Druck zum nationalen Mythos der Schweiz“ (Gros 2001, S.117). Mit ihrem Roman Heidi, der Ende des 19. Jahrhunderts erschien, hatte Johanna Spyri den Mythos Schweiz, den Mythos eines heilen Landes voll prächtiger Ber- gen, Harmonie und reiner Natur, betont und bekräftigt. Heidi, ein Mädchen mit reinem Gemüt, wächst in dieser idyllischen Bergwelt auf der Alp auf, wo es voll und ganz aufblühen kann. „Dunkelblau schaute der Himmel von allen Seiten hernieder, und mitten darauf stand die leuchtende Sonne und...

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