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Spannungsfelder: Literatur und Mythos

Beiträge zum 2. Studierendenkongress der Komparatistik, 6. bis 8. Mai 2011, Universität Bonn- Herausgegeben in Zusammenarbeit mit Oliver Renner und Anne Christina Scheuss - Unter Mitwirkung von Jule Böttner, Adina Genglawski, Anna-Felicitas Gessner,

Edited By Andreas J. Haller, Bettina Huppertz and Sonja Lenz

Dieser Sammelband präsentiert eine Auswahl der Vorträge, die im Rahmen des 2. Studierendenkongresses der Komparatistik an der Universität Bonn gehalten wurden. Literatur- und Kulturwissenschaften sind ohne das Spannungsfeld Literatur und Mythos nicht denkbar. Mythische Denkmuster sind stets Teil des gesellschaftlichen Bewusstseins und der geführten Diskurse. Dass antike mythische Stoffe in der Literatur- und Kulturgeschichte omnipräsent sind, wird dadurch deutlich, dass immer wieder Motive, Figuren und narrative Muster dieser Stoffe literarisch oder künstlerisch verarbeitet und bis in unsere heutige Zeit hinein rezipiert und erneuert werden. Der Sammelband spiegelt diese Vielfalt der Mythenrezeption sowie die Relevanz des Themas für unterschiedlichste Forschungsdisziplinen wider.

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20. Mythos Fußnote. Das 'Graphem der Gelehrsamkeit' in den Romanen Walter Moers und Jasper Ffordes. Anna-Felicitas Gessner

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Mythos Fußnote. Das 'Graphem der Gelehrsamkeit' in den Romanen Walter Moers' und Jasper Ffordes Anna-Felicitas Gessner Fußnoten sind heute in erster Linie dafür bekannt, dass sie ihrem Text eine Aura von Wissenschaftlichkeit verleihen. Ihr Erscheinen ist seit Jahrhunderten fest ver- knüpft mit der Idee der Gelehrsamkeit, die durchaus als ein mythisches Bild ver- standen werden kann. Als Begleiter sakraler Texte fungieren Anmerkungsformen seit ihrer Frühgeschichte als Medium der systematischen Deutungstradition, das die „Applikation kollektiv verbindlicher Texte über soziale und zeitliche Grenzen hinweg sicher[stellt]“ (Assman/Gladigau 1995, Vorwort). Kommentare ermögli- chen eine Verknüpfung von „Kanonisierungsstrategien und Kommentierungsre- geln“, die ein „durchlaufendes Kontrollinteresse widerspiegeln“ können (ebd.). In der Wissenschaft wächst seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Subtext der Fußnote ein Netzwerk gegenseitiger Referenzen. Fußnoten bieten dem Zitie- renden die Möglichkeit, sich als kompetent und belesen zu profilieren; sie hinter- lassen einen akademischen „Fingerabdruck“, an dem das „Portrait des Verfassers oder die Genealogie eines Textes abgelesen werden“ kann (Cahn 1997, S. 97); dem Text verhelfen sie zu dem Charisma eines Zwerges, der auf den Schultern von Riesen sitzt; dem Zitierten nutzen sie zur Erlangung von Bekanntheit und Ruhm. Ihr Gebrauch vermittelt gesellschaftliche Botschaften. Die ironische hyperbolische Verzerrung in der Gelehrtensatire ist eine tradi- tionelle Fußnotenform, die das „Graphem der Gelehrsamkeit“ (ebd., S. 92) in humoristischer Spiegelung entmythifiziert und „Formen gelehrter Kommunika- tion vor[führt], die sich auf die 'entleerte' Mimikry gelehrter Mitteilungsformen beschränken“ (Dembeck 2008,...

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