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Maschinentheorien/Theoriemaschinen

Hans-Christian von Herrmann and Wladimir Velminski

«Das Denken jedes Zeitalters spiegelt sich in seiner Technik wider.» Der von Norbert Wiener 1948 gemachte Vorschlag, die Geschichte der Maschinen als Zugangsweg zu einer Geschichte des Denkens zu begreifen, schließt seine Selbstanwendung mit ein, lässt er sich doch seinerseits auf einen maschinenhistorischen Einschnitt beziehen: den Übergang von mechanischen und thermodynamischen zu Informationsmaschinen.
Im Vordergrund der versammelten Beiträge dieses Bandes steht jeweils das Interesse, zeitgenössische kulturwissenschaftliche Arbeitsweisen und Konzepte im Umgang mit der Frage des Maschinellen vorzuführen.

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Maschinen denken – eine Einleitung

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1. „Der Mensch hat Maschinen!“ – antwortet der altmeister auf die Frage Zachar Pavlovičs, was den Menschen von den Vögeln unter- scheide, und er fährt fort: „Sie sind wunderschön, aber nach ihnen bleibt nichts zurück, weil sie nicht arbeiten! […] na ja, um nahrung und Wohnstatt kümmern sie sich irgendwie, aber wo sind ihre hand- werklichen erzeugnisse? Wo ist der Voreilwinkel ihres Lebens?“1 Denn so wie der Voreilwinkel dem antrieb der Dampflokomotive mechanisch vorauseilt und damit ihre Bewegung ermöglicht, so ist die geschichte des Menschen eine geschichte seiner in die Zukunft voreilenden technischen entwürfe. Der russische Schriftsteller und Ingenieur andrej Platonov beginnt seinen 1928 fertig gestellten, aber von der Zensur aufgrund seines dystopischen Charakters so- gleich verbotenen roman Čevengur mit der Vorstellung Zachar Pavlovičs. In seinem unaufhaltsamen Drang nach erkenntnis und seiner Leidenschaft für phantastische erfindungen unterscheidet er sich von den restlichen Dorfbewohnern, denen er zunehmend fremd gegenübersteht. Und genau wie sein Lehrer, der altmeister, schenkt er der „von Menschenhand unberührte[n] natur“ kei- 1 Platonow, andrej: Tschewengur. Die Wanderung mit offenem Herzen, Berlin 1990, 45. 10 nerlei Beachtung, da es bei Tieren und Bäumen „keinen einzigen bewußten Hammerschlag und keine genauigkeit handwerklicher Meisterschaft“ gibt.2 Dagegen weiß Zachar Pavlovič sich für alle ar- tefakte, besonders die aus Metall, zu begeistern, denn sie sind für ihn „voller Leben und in ihrer Konstruktion und Kraft sogar interes- santer und geheimnisvoller als der Mensch“.3 als ältester Sohn...

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