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Zwischen Simulation und Narration

Theorie des Fantasy-Rollenspiels- Mit einer Analyse der Spielsysteme "Das Schwarze Auge</I>, "Shadowrun</I> und "H.P. Lovecraft’s Cthulhu</I>

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David Schmidt

Das Spielen zählt zu den ältesten Kulturphänomenen der Menschheit, gleiches gilt für das Erzählen. Eine ebenso ungewöhnliche wie innovative Verbindung von Spielen und Erzählen bietet das Fantasy-Rollenspiel, eine Freizeitbeschäftigung, in der sowohl simulative als auch narrative Elemente einen zentralen Platz einnehmen. Diese Studie bietet eine umfassende Darstellung von Geschichte, Gestalt und Praxis des Fantasy-Rollenspiels. Mit Hilfe interdisziplinärer literatur- und spieltheoretischer Methoden wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich die unterschiedlichen Aspekte des Rollenspiels voneinander abgrenzen bzw. als Einzelelemente beschreiben lassen. Geboten wird ein Überblick über die Entstehung und Fortentwicklung einer neuen literarischen Gattung im Spannungsfeld zwischen Spielen und Erzählen. Eine Betrachtung unter erzähltheoretischen Gesichtspunkten zeigt, dass Rollenspiele nicht allein Spiele sind, sondern auch ein erzählerisches Potential von hohem Stellenwert besitzen. Von besonderem Interesse ist zudem die Verbindung von Simulation und Narration, die in dieser Form bei keiner anderen literarischen Gattung zu finden ist. Eine vergleichende Untersuchung mehrerer verbreiteter Rollenspiel-Systeme erlaubt Aufschluss über Wesen und Charakter der Gattung sowohl aus narratologischer als auch aus ludologischer Perspektive.

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IV. Spielend erzählen – erzählend spielen

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1. Gattungstheoretische Ansätze Wie im vorangegangenen Kapitel gezeigt wurde, handelt es sich beim Rollen- spiel um ein überaus komplexes Phänomen. Sowohl narratologische wie auch ludologische Ansätze und Theorien greifen zu kurz, um es in seiner ganzen Bandbreite erfassen zu können. Voraussetzung für die Entwicklung eines integ- ralen Ansatzes und damit die Grundlage für eine kohärente Gattungstheorie ist zunächst eine Sichtung und Überprüfung bestehender Herangehensweisen ein- zelner Fachdisziplinen.996 Nachfolgend werden Ansätze der Spieltheorie sowie der sich noch in den Anfängen befindenden Rollenspieltheorie, der Sprachtheo- rie, der Erzähltheorie, der Kommunikationstheorie und der Kunsttheorie aufge- griffen und angewendet, um die vielfältigen Aspekte des Rollenspiels zu erfas- sen und darzustellen. Daran anschließend folgt der Versuch, die besondere Be- ziehung zwischen Simulation und Narration im Rollenspiel zu definieren. Spieltheoretische Ansätze Die Ludologie gilt als junger, transdisziplinärer Forschungszweig, wobei inner- halb der Spieleforschung eine Vielzahl zum Teil konkurrierender Begrifflichkei- ten, Definitionen und Systeme existiert. Ein besonderes Augenmerk der Ludolo- gie liegt gegenwärtig im Bereich der digitalen Spiele, jedoch kommt insbeson- dere in der Grundsatzdebatte um die Deutungshoheit des Phänomens ‚Spiel’ auch dem Themenkomplex ‚Spiel als Simulation vs. Spiel als Narration’ einige Beachtung zu. Die eingangs bereits erwähnte Debatte, ob Spiele als eine Form von ‚Text’ deklariert und dementsprechend auch mit den traditionellen Instru- mentarien der Analyse untersucht werden können, führte dazu, dass von Seiten der Ludologie das Prinzip der Simulation zum Kern des Spiels erkl...

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